22. & 23.11.2017 - Foto-Workshop für Immobilien-Profis in KÖLN: Grundlagen der Immobilienfotografie

 

10 Tipps für möglichst schlechte Immobilienfotos

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 1. Juli 2016 - in: In eigener Sache | Marketing | Tutorials

10 Tipps für schlechte ImmoibilienfotosEs ist so einfach, möglichst schlechte Immobilienfotos zu erstellen. Mit diesen Tipps machen Sie garantiert schlechte Aufnahmen von Ihren Objekten.

Manche Immobilienprofis halten gute Bilder von ihren Häusern und Wohnungen für überbewertet. Sie kosten Geld, Zeit und Speicherplatz. Oder wie ein Makler mir kürzlich wortwörtlich sagte: „Die Leute sollen bei mir nicht auf schöne Bilder glotzen – sie sollen einen Vertrag unterschreiben!“ Dummerweise gehört es irgendwie zum überflüssigen guten Ton, dass bei jedem Exposé auch ein Foto von dem betreffenden Objekt steht. Damit auch Sie billig und schnell schlechte Aufnahmen zusammenschustern können, gebe ich Ihnen diese 10 Tipps mit auf den Weg.

1. Kramen Sie Ihr altes Smartphone hervor!

Ein Bild von einem Haus kann man mit jeder Kamera machen. Selbst ein altes Nokia 6230 aus dem Jahr 2004 macht mit seiner Kamera Fotos von 1,3 Megapixel Größe. Das reicht für den Immoscout völlig aus. So kann manches alte Handy-Eisen noch gute Dienste leisten. All das Geschwafel von Bildschärfe, Details in hellen und dunklen Bereichen kann man vernachlässigen. Im Internet „versendet“ sich das quasi von selbst. Hauptsache, der Interessent erkennt ein Gebäude.

2. Sparen Sie ordentlich Speicher!

Falls Ihre Kamera mehr Megapixel hat: Fotografieren Sie gleich im kleinsten Dateiformat, stellen Sie die Kompression auf die höchste Stufe und machen Sie maximal 1 Foto. So lässt sich ordentlich teurer Speicherplatz sparen. Man beachte: Im Jahr 2014 stieg der Preis für 1 Gigabyte Festplattenspeicher (das reicht gerade mal für ca. 400 Fotos aus einem aktuellen iPhone 7) im Vergleich zum Vorjahr  um 2,3% auf horrende 4,5 ct.

Okay, aktuelle Computer haben 1000 und mehr Gigabyte Festplattenkapazität. Aber ehrlich – wer braucht schon so viele Bilder in dieser Größe? Auch hier wird immer davon geredet, dass mehr Auflösung und weniger Kompression eine wichtige Reserve für die spätere Bearbeitung seien – aber doch bitteschön nicht zu Lasten Ihres wertvollen Speicherplatzes!

3. Schalten Sie den Blitz ein!

Fotografen sagen immer: Zum Fotografieren braucht man Licht. Wer hätte das gedacht! Diese Schlaumeier!

Gut, dass Sie Ihr eigenes Licht dabeihaben. Denn der Blitz in der Kamera hellt alle Gegenstände im großzügigen Umkreis von etwa 3 Metern auf. Was weiter weg ist, kann der Betrachter sowieso nicht erkennen. Dann kann es ruhig auch im Dunkeln bleiben. Außerdem haben Blitzfotos immer so eine schöne authentische Wirkung. Die Wohnung fühlt sich im Blitzlichtgewitter wie ein Star. (Und Sie fühlen sich endlich wie eine echte Paparazzo.)

4. Fotografieren Sie nur im Automatik-Modus!

Wenn Sie an der Kamera die Voll-Automatik einstellen, dann macht sie die Fotos wie von selbst. Kümmern Sie sich nicht mehr um die Belichtung oder den ISO-Wert. Der Kameracomputer berechnet, was er für richtig hält. Er lässt sich vielleicht hin und wieder von überstrahlenden Fenstern oder dunklen Ecken hinter Möbeln durcheinanderbringen. Aber wen stört’s? Wenn alle so fotografieren würden, dann wäre das endlich der einzige Standard und es gäbe kein Geseier mehr zu Unter-/Überbelichtung und Bildrauschen.

Sie haben eine Kamera, bei der man weder die Automatik noch einen anderen Modus auswählen kann? Sie Glückliche(r)! Diese Kamera kann wahrscheinlich AUSSCHLIEßLICH automatisch belichten. Sie sind aus dem Schneider!

5. Machen Sie Ihre Aufnahmen locker aus dem Handgelenk!

Zeigen Sie Unabhängigkeit und wählen für Ihre Immofotos einen lockeren Stand. Fühlen Sie sich frei wie John Wayne oder der Marlboro-Man und schießen Sie Ihre Aufnahmen meinetwegen aus der Hüfte. Leichte oder schwere Verwackler und Unschärfen verkaufen Sie als gewolltes Stilmittel. Stative und Fernauslöser sind nur für Spießer.

6. Die Kameraperspektive bleibt egal!

Sein Sie kreativ und wählen Sie einen Kamerastandpunkt, der auf dem Bild möglichst viele schräge Kanten hinterlässt. Damit beweisen Sie Persönlichkeit und Dynamik. Der Interessent wird sich diese stürzenden Linien schon geradedenken. Und ein schiefes Bild wird er schon entschuldigen. Wichtig ist, dass Sie bei der Aufnahmesession möglichst wenig Mühe haben. Die Wahl und Korrektur der Kameraperspektive würden nämlich den gesamten Vertriebs-Flow durcheinanderbringen, weil sie große Zeitmengen verplempern.

7. Laden Sie Ihre Aufnahmen sofort ins Netz!

Ihr Image als flinker Dienstleister ist Ihnen heilig? Dann müssen Sie Ihre Immobilienfotos direkt nach der Aufnahme (und ich meine DIREKT, also innerhalb der ersten 23,8 Sekunden) auf alle Online-Portale laden und der Welt zeigen, wie gut Sie schlechte Fotos machen können. Foto-Auswahl oder gar Bildbearbeitung sind die Zeit-Killer Nr. 1 und 2 bei der Immobilienfotografie. Die sind fast so lästig wie die An- und Abfahrt zum Objekt. Wer ein Smartphone hat, das die ungesehenen Aufnahmen sofort nach dem Auslösen automatisch hochlädt, sollte diese Funktion unbedingt einstellen.

Wenn so ein Foto umgehend im Netz landet, ist das viel mehr wert, als wenn es zuvor auf seine Unzulänglichkeiten untersucht, und dann vielleicht auch noch aussortiert wird. Kleine und große Fehler im Bild sind lustig und zeugen von Ihrer Unbeugsamkeit als Servicekraft.

8. Unterbinden Sie jedwede Bildbearbeitung!

Wenn Sie Punkt 7 befolgt haben, dann erübrigt sich dieser Tipp. Für alle Unbelehrbaren gilt: Schlechte Immobilienfotos bekommt man nicht, wenn man sie per Bildbearbeitung aufpoliert. Okay, man könnte sie im Photoshop auch noch schlechter machen, das kostet aber wertvolle Zeit. Unkorrigiert bleibt die Aufnahme authentisch unattraktiv, wenn Sie Tipp 1 bis 7 befolgt haben. Falls Sie gefragt werden, verwenden Sie für Ihr Bild den fotografischen Fachterminus „ooc“ (out of cam).

9. Lassen Sie das Objekt unberührt!

Fotografieren Sie die Realität. Organisieren Sie vor dem Fotoshoot keineswegs ein Ordnungskommando, das aufräumt, saubermacht und kleinere Reparaturen vornimmt. Wenn das Objekt mit ihren schlechten Aufnahmen nicht verkauft wird, bleiben Sie auf den Kosten sitzen! Erzeugen Sie beim Interessenten ruhig die Illusion, dass alles Gold sein kann, was nicht glänzt.

Sie verleihen der Immobilie einen ganz besonderen Charme, wenn die historischen Spuren ihrer Vornutzer sichtbar bleiben. Dann ist Zeit für pure Romantik. Fotografieren sie diese Patina, um das Herz und das Portemonnaie der Interessenten zu öffnen.

10. Lassen Sie niemand anderen fotografieren!

Manche Immobilienprofis kommen auf die abwegige Idee und engagieren einen Fotografen, der auf Immobilienfotos spezialisiert ist. Das Dumme an der Sache: Die allermeisten dieser Edelknipser sind auf GUTE Aufnahmen fokussiert. Sie jedoch bevorzugen SCHLECHTE Bilder. Insofern wäre diese Arbeitsteilung suboptimal.

Andere haben den absurden Wunsch, selbst bessere Fotos von ihren Immobilien zu machen. Diese Subjekte begeben sich in die Hände von Fotoprofis und lernen in Seminaren und Workshops grundlegende Techniken dafür. Am Ende kommen aber wieder nur BESSERE Aufnahmen statt SCHLECHTERER Bilder heraus – auch dieses Vorgehen erweist sich als wenig hilfreich.

Also: Selbst sind Mann und Frau. Schlecht fotografieren kann jeder.

Weshalb ich diese Tipp-Liste aufgeschrieben habe?

Tipp-Listen sind spätestens seit Erfindung der Sprache der Kracher in jeder Kommunikation. Im Netz gehören sie zu den am meisten gelesenen Artikeln, weil sie suggerieren, dass mit Ihnen Expertenwissen kostenlos verschleudert wird. Diese Liste ist jedoch anders:

  1. Es geht nicht um Expertenwissen, sondern größtenteils um echte Parolen einiger Immobilienprofis, die glauben, es besser zu wissen / können.
  2. Diese Erkenntnisse werden nicht verschleudert – die meisten sind hart erarbeitete Ergebnisse meiner Kundenkommunikation und genau auf eine einzige Zielgruppe zugeschnitten.

Was Sie damit jetzt anfangen, überlasse ich Ihnen. Ich gehe jedenfalls gute Fotos machen :-).

 
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