140 deutsche Homestaging-Agenturen, Websites und Fotografie

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 15. August 2014 - in: Marketing

HomestagingEin nachhaltiges Feedback hat mein Artikel über den Einsatz professioneller Fotos für die Eigenwerbung durch Homestaging-Agenturen ausgelöst. Vorweg vielleicht: Es ging in keinem Fall darum, jemanden zu diffamieren oder zu kränken, sondern einfach um eine Bestandsaufnahme und um einen Weg aus diesem Dilemma.

Jetzt haben wir genauere Zahlen ermittelt und können etwas intensiver auf diese Materie eingehen. Wir haben die Online-Präsenzen von 140 deutschen Homestaging-Agenturen untersucht und dabei interessante Entdeckungen gemacht, die mitunter über den reinen Fotoeinsatz hinausgehen.

Fast alle Websites exzellent gestylt

Homestaging-Agenturen – in den allermeisten Fällen sind es übrigens Homestagerinnen – zeigen große Professionalität bei der Einrichtung von Verkaufsimmobilien. Auch in Sachen Selbstvermarktung sind viele von ihnen prinzipiell auf der Höhe der Zeit. Das zeigen sie beispielsweise mit ihrer Präsenz im Internet. Viele von ihnen beweisen, dass Design ihr Metier ist. So wie ihre Einrichtungsideen, sind auch ihre Webseiten punktgenau schlank und zeitgemäß gestaltet. Es gibt nur wenige (ca. 4%) deren Web-Design noch auf den Ideen des letzten Jahrzehnts fußt.

Auffällig ist, dass ein bestimmtes Motiv auf vielen Startseiten dominiert: das weiße Sofa, sauber mit Kissen bestückt, vor einer farbigen Wand. Klar, ein solches Motiv eignet sich hervorragend als Homepage-Banner, da ein Sofa dafür ein ideal breites Querformat bietet. Allerdings birgt dieses Einheitsmotiv die Gefahr, dass die einzelnen Homestager ihr Alleinstellungsmerkmal nicht präsent genug darstellen. (Okay, vielleicht sollte man das Sofa zu einem Zunftzeichen stilisieren, um sofort zu signalisieren, hier wohnt ein Homestaging-Experte 😉 )

Apropos Startseiten: Viele Homepages starten mit einem oder mehreren professionell anmutenden Fotos. Das ist gut und macht bereits Lust auf mehr. Ob diese Bilder tatsächlich aus dem eigenen Schaffen stammen, ob es fotografische Glückstreffer waren oder ob sie aus einschlägigen Stock-Sammlungen stammen, ist an dieser Stelle einfach mal egal.

Bedürfnisse der Kunden berücksichtigen

Doch spätestens, wenn es dann darum geht, die eigenen Projekte visuell zu präsentieren, wird es schwierig. Das beginnt bereits bei der Benennung des Bereiches, in dem diese Informationen zu finden sind. „Referenzen“, „(Foto-)Galerie“, „Vorher – Nachher“, „Portfolio“, „Beispiele“ sind die gängigsten Rubrikenbezeichnungen.

Allerdings sind sie manchmal in der Menüstruktur soweit hinten versteckt, dass mancher Besucher aufgibt, bevor der das Potenzial des jeweiligen Homestagers entdeckt. Das ist insbesondere dann oft der Fall, wenn Homestaging neben anderen immobiliennahen Dienstleistungen angeboten wird.

Dabei geht es nicht immer darum, diesen Bereich der Selbstdarstellung in einer Menüstruktur logisch zu verankern. Der potenzielle Kunde muss möglichst schnell abgeholt werden. Internet-Surfer sind auf schnelle Ergebnisse aus. Auch wenn ein Mausklick nicht viel Mühe macht, so sind jeder Klick und jedes Suchen Ballast, der den gezielten Zugang zu den gewünschten Infos verlangsamt.

Um dieses Bedürfnis zu erfüllen, muss der Zugang zu Fotos von den Arbeitsergebnissen möglichst prominent dargestellt werden. Im Idealfall findet der Besucher die Bilder gleich auf der Startseite. Hat man den User mit starken Fotos beeindruckt, dann ist er bereit, auch die harten Fakten (Arbeitsweise, Preise, Persönlichkeit, Testimonials) zu konsumieren.

Ein Viertel der Homestager macht vieles richtig

Ist man dann im Portfolio-Bereich gelandet, freut man sich bei rund einem Viertel der Anbieter über wirklich gute Fotos, jeweils rund die Hälfte von ihnen scheint einen professionellen Fotografen einzusetzen oder aber mit eigenen Mitteln (hochwertige Kamera, solide Aufnahmetechnik) gute Fotos zu machen.

Wie viele Homestager haben professionelle Fotos?

Erkennbar sind diese Bilder beispielsweise an:

  • einer durchdachten Komposition im Bild
  • Rücksichtnahme auf die Beleuchtungsverhältnisse
  • dem richtigen Aufnahmestandpunkt
  • der waagerechten Ausrichtung der Kamera  oder des Bildes in der Nachbearbeitung
  • gerade gerichteten senkrechten Kanten
  • der Entfernung von Objetivverzeichnungen (gebogene Kanten an den Rändern)

Die Profis arbeiten außerdem noch mit:

  • dem Ausgleich des durch Fenster hereinfallenden Lichtes
  • zusätzlichen künstlichen Lichtquellen (Blitz, Scheinwerfer)
  • einer gezielten Nachbearbeitung

Bei drei Vierteln der Homestager macht sich bei der Präsentation allerdings mehr oder weniger Ernüchterung breit. Etwa zwei Drittel dieser Anbieter zeigen ihre Arbeiten auf Fotos in Amateurqualität (oder schlechter). Sie können dann nicht mehr halten, was sie mit ihrem Webseiten-Design und einem einladenden Homepagefoto versprochen haben. Es reicht auch oft nicht, eine gute Digitalkamera mit einem starken Weitwinkelobjektiv zu bestücken. 13 % zeigen übrigens keine Fotos, entweder weil sie es nicht vorgesehen haben oder weil die Internet-Seite tot ist oder weil sie für ihre Präsenz ein Passwort verlangen.

Auch die Art der Präsentation entscheidet

Wir haben uns selbst lange mit der Präsentation von Fotoportfolios im Internet befasst. Soll es eine Galerie sein? Muss jedes gelungene Foto gezeigt werden? Wo findet die Präsentation idealerweise statt? Die amerikanische Fotoschmiede und -schule von Scott Kelby hat dazu interessante Erfahrungen geteilt. Davon abgeleitet lässt sich sagen:

  1. Die Bilder müssen groß  dargestellt werden. Ladezeiten spielen heute nicht mehr eine so wichtige Rolle, wie noch vor 5 oder 10 Jahren. Viele Homestager verwenden Bilder, deren Kantenlänge kleiner als 400 Pixel ist. Das war okay, als wir alle noch kleinere Bildschirme hatte. Heute ist dieses Mäusekino-Format obsolet. Beim Foto sollte die lange Kante im Querformat mindestens 900 Pixel und im Hochformat etwa 600 Pixel haben. (Die technische Umsetzung für unterschiedliche Bildschirmgrößen oder für mobile Anwendungen sollen jedoch die Programmierer lösen.)
    Nachtrag Mai 2016: Noch größere Bilder, sogar welche, die den gesamten Bildschirm füllen sind auf dem Vormarsch.
  2. Die Anzahl der gezeigten Bilder / Bildpaare soll zwischen 10 und 20 liegen. Wann immer ein starkes Motiv hinzukommt, muss das schwächste aus der Reihe verschwinden. Ja, das tut oft weh, weil man an bestimmten Motiven hängt, insbesondere, wenn man viel in sie investiert hat. Doch mehr Bilder hält die Geduld der Besucher für’s Erste nicht aus. Bei einem Vor-Ort-Termin kann man dann gern mehr und für das Objekt passend in einer großformatigen Portfoliomappe auf dem Tablet oder gedruckt präsentieren.
  3. Von einem Motiv sollte auch immer nur ein Bild publiziert werden. Wir haben beobachtet, dass viele Homestager eine Einrichtungssituation aus mehreren Blickwinkeln veröffentlichen. Beschränken Sie sich auch hier auf das Bild mit dem besten Eindruck. Ansonsten geht es Ihnen wie beim Durchblättern von Urlaubs- oder Babybildern ihrer Bekannten – wenn der gleiche Sonnenuntergang oder der schlafende Säugling zum xten mal gezeigt wird, wird’s langweilig. Sie sitzen dann im Kreise der Lieben und machen gute Miene. Ein Internet-User hingegen ist mit einem Klick beim nächsten Angebot und kehrt nicht zurück.
  4. Das Portfolio muss leicht erreichbar sein. Hier auf PrimePhoto haben wir uns entschieden, eine Auswahl von derzeit 10 Motiven gleich oben auf der Homepage zu zeigen. Damit weiß der Besucher sofort welcher Stil ihn erwartet. Glauben Sie mir – das funktioniert. (Allerdings: Sobald wir  von einer besseren Lösung überzeugt sind, haben wir kein Problem, das zu ändern.)
    Nachtrag Mai 2016: Wir sind inzwischen umgestiegen auf eine extra Seite mit unseren besten Referenzen, die wir in einer Bildstory erzählen.
  5. Die große Frage der Art der Darstellung hängt von den technischen Möglichkeiten ab. Derzeit ideal sind: die selbstlaufende Diashow, die Galerie mit „weiter“-Button. En vogue sind sind so genannte Lightboxes, bei denen die Fotos über die eigentliche Website gelegt werden. Jede selbstlaufende Diashow sollte die alternative Möglichkeit der manuellen Steuerung bieten – so kann ein Besucher den vorgegebenen Wechselrhythmus anhalten und bestimmte Motive genauer betrachten. Was im Moment umstritten ist, sind Flash-Lösungen, weil die mobilen Geräte von Apple damit nicht umgehen können.
    Nachtrag Mai 2016: In Kürze werden wir uns von den Lightboxen verabschieden und auf das Visual Storytelling à la exposure.co umsteigen: großformatige, seitenfüllende Fotos gepaart mit emotionalen oder informativen Textsplittern zum Motiv.

Social Media werden genutzt

Bei der Gelegenheit haben wir auch gleich mal geschaut, welche sozialen Medien von den Homestagern genutzt werden. Rund 45 % von ihnen haben wir auf Facebook mit eigenen Unternehmensseiten gefunden, rund 14 % sind bei Google+ mit aktiven Seiten registriert.

Auch hier bietet es sich an, in Zukunft mit wirklich professionellen Fotos für die eigenen Dienste Werbung zu machen. Es ist doch relativ simpel: Sind eine Projektbeschreibung und die Fotos für die eigene Website schon vorhanden, kann man diese einfach auch auf die sozialen Plattformen hochladen (den Text abändern, das finden Suchmaschinen gut). Mit etwas Übung kommt man so in unter fünf Minuten zu kostenloser Werbung.

Eine zunehmend interessante Plattform, insbesondere unter dem Design-Aspekt ist übrigens Pinterest.

Was bleibt haften?

Homestager - Reserven bei der Eigenwerbung aufdeckenObwohl Homestager Fachleute in der Außendarstellung sind, hapert es an vielen Stellen mit der Eigenwerbung. Deshalb waren im letzten Beitrag auch das Sprichwort vom Schuster mit den schlechten Schuhen und das entsprechende Foto dazu zu finden.

Das sind die Erkenntnisse:

  1. Drei Viertel der deutschen Homestager haben Nachholbedarf bei der visuellen Eigenwerbung mit professionellen Fotos von ihren Projekten.
  2. Die Findbarkeit aussagekräftiger Arbeitsbelege ist vielfach verbesserungswürdig.
  3. In sehr vielen Fällen sind die Bilder zu klein.
  4. Die Art der Bildpräsentation ist oftmals nicht mehr zeitgemäß.

Nachdem ich gestern 140 Webseiten von Homestagern und deren Filialen auf Facebook und Google+ gesehen habe, bleibt heute eine Präsenz in meinem Gedächtnis haften. Das ist die Webseite von Neuraum – Iris Barwa. Sie macht auf Ihrer Internetseite ganz vieles richtig (vielleicht bis auf die kleine Schrift 😉 ). Besonders gefällt mir jedoch die Fotopräsentation. Sie erfüllt inhaltlich die Ansprüche an hohe Professionalität – sowohl in ihrem Metier als auch an die Fotografie. Und mir gefällt die Darstellung großer Fotos als Lightbox-Variante. Hinweis: Diese Erwähnung ist ausdrücklich kein Werbespot für Iris Barwa, sondern lediglich ein Hinweis auf die adäquate Art der Darstellung ihres Service. Ich kenne Frau Barwa nicht, wir sind per dato weder geschäftlich noch anderweitig mit einander verbunden. Ihre Website ist einfach ein wirklich guter Netzfund.

Dafür ist dieser ganze Beitrag jedoch ganz klar Werbung in eigener Sache: Wir erstellen für Homestager in jedem Fall ein individuelles Angebot, das sich von unseren Fotopaketen für Immobilienverkäufer deutlich unterscheidet. Wenn Sie professionelle Fotos von Ihren Objekten benötigen, dann wenden Sie sich bitte an uns

 

 

 

 
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