22. & 23.11.2017 - Foto-Workshop für Immobilien-Profis in KÖLN: Grundlagen der Immobilienfotografie

 

Welche Objektiv-Filter eignen sich für Immobilienfotos?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 2. November 2017 - in: Ausrüstung | Fragen und Antworten

Welche Objektiv-Filter eignen sich für Immobilienfotos?Je besser das Glas ist, durch das Licht in die Kamera gelangt, um so eher entstehen Immobilienfotos mit Klarheit, Schärfe und Brillanz. Deshalb verfügen gute Objektive über hochwertig beschichtete Speziallinsen. Gleiches trifft auch auf Filter zu: Je besser ihre Qualität ist, um so geringer ist der Verlust, den das Licht auf seinem Weg in die Kamera erlebt.

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über:

  • die gängigsten Arten von Objektivfiltern
  • ihre Eignung in der Immobilienfotografie
  • verschiedene Montage-Varianten

Am Ende des Artikels gibt es einige Empfehlungen für Filter, die in die Kameratasche gehören.

UV-Filter

Diese Filter sind ein Relikt aus den Zeiten der Filmfotografie. Der UV-Filter sowie sein Geschwister, der Skylight-Filter, hatten die Aufgabe, leichte Dunstschleier, die durch den ultravioletten Anteil am Tageslicht verursacht wurden, zu entfernen. Somit sollten sie für mehr Weitsicht und strahlenderes Himmelsblau sorgen. Heutige Digitalkameras machen dies in aller Regel durch die interne Bildbearbeitung wett. Außerdem optimieren viele Fotografen ihre Fotos nach dem Shooting am PC. Somit hat ein UV-Filter diese Aufgabe verloren.

Dennoch haben viele Zeitgenossen diesen Filter permanent auf ihrem Objektiv zu sitzen. Fragt man sie, dann loben sie ihn als billigen Schutz der Frontlinse. In der Immobilienfotografie ist so ein Filter jedoch eher hinderlich. Besonders auffällig wird das bei punktförmigem Licht, wie von Glühbirnen, LED-Strahlern oder auch grellem Sonnenlicht. Sobald es auf das Objektiv trifft, wird es von der Vorderseite jeder einzelnen internen Linse reflektiert, gelangt auf die Hinterseite der davorliegenden Linse, wird von dort wieder zurückgeworfen etc. Schon ein einfaches Objektiv besteht gern aus zehn und mehr einzelnen Glaslinsen. Am Ende entsteht durch das ganze Hin-und-Her-Reflektieren ein diffuser Lichtschleier, der dem Bild die Brillanz nehmen und einen flauen Bildeindruck erzeugen kann. Die Hersteller von Qualitätsobjektiven begegnen dieser Herausforderung, indem Sie die anfälligsten Linsen in diesem System sehr gut entspiegeln.

Wird jetzt jedoch eine einfache Glasscheibe, mehr ist ein UV-Filter im Prinzip nicht, vor das mehrere hundert Euro teure Objektiv geschraubt, degradiert es der Nutzer in den genannten Szenarien zu einem minderwertigen Objektiv (von Fotografen abschätzig „Scherbe“ genannt), weil er genau diese Reflexion beim Lichteingang auslöst.

Das Argument, die Frontlinse vor Fingerabdrücken schützen zu wollen, lasse ich nur bei besonders tapsigen Zeitgenossen gelten. Und selbst Staub ist mit dem obligatorischen Blasebalg oder einem weichen Optiktuch schnell entfernt. Bleibt noch das Argument, dass es billiger ist, einen 20-Euro-Filter zu ersetzen, statt die Reparatur einer beschädigten Frontlinse zu bezahlen. Dazu eine kleine Anekdote: Ich war vor einiger Zeit mal auf einem Workshop bei einem Konzertfotografen, der neben internationalen Popstars auch weltbekannte Hard-Rock-Bands fotografiert. Wegen der permanent wechselnden Bühnenbeleuchtung aus hunderten punktförmiger Lichtquellen hatte er selbstverständlich keinen Filter montiert. Im organisierten Chaos eines Heavy-Metal-Events bekam die Frontlinse seines mehrere Tausend Euro teuren Objektivs einen Riss. Und er? Hat einfach weiterfotografiert, seine Kameraeinstellungen angepasst (Stichwort: Aufblenden), und der Schaden war auf den Fotos nicht zu bemerken.

Als Frontlinsenschutz empfehle ich immer noch das Tragen der Gegenlichtblende am Objektiv. Sie hält nerviges Licht von der Seite, mechanische Angriffe und menschliches Versagen ausreichend gut ab.

Polarisations-Filter

Ein so genannter Pol-Filter richtet das Licht, indem zwei dünne beschichtete Glasscheiben stufenlos gegeneinander verdreht werden. Vorweg: So ein Filter sollte nur in der höchsten Vergütungsstufe eingesetzt werden. Auch hier gilt: Degradieren Sie Ihr Objektiv nicht zum „Flaschenboden“.

Zwei Effekte sind beim Polarisationsfilter zu beobachten.

  1. In der richtigen Stellung kann er die Farben des Bildes stärker sättigen. Gern wird diese Eigenschaft bei Landschaftsaufnahmen für eine Verstärkung des Himmelsblau genutzt. Vorsicht nur bei der Verwendung mit starken Weitwinkeln. Da der Effekt auch von der Position der Sonne zum Objektiv abhängt, kann es durch den großen Bildwinkel zu einem unbeabsichtigten Verlauf der Himmelsfarbe kommen.
  2. Ein Effekt, der für die Immobilienfotografie viel größere Bedeutung hat, ist das Entfernen von Reflexionen. In der richtigen Position lassen sich Spiegelungen auf nichtmetallischen Flächen, wie Glasscheiben, Fußböden und Flüssigkeiten entfernen. Allerdings funktioniert das nur dann zuverlässig, wenn die reflektierende Fläche eindeutig nicht parallel zum Objektiv liegt. Mit Hilfe dieses Filters lassen sich häufig auch die Geisterbilder des Fotografen in glänzenden Möbelfronten erfolgreich bekämpfen.

Zirkulare Polarisationsfilter sind außerdem getönt, so dass man ein wenig Licht verliert. In der Immobilienfotografie kann man das aber bequem durch die richtige Kameraeinstellung wieder ausgleichen.

Für Immobilienfotos empfehle ich außerdem die Verwendung einer „Slim“-Version, die einen besonders dünnen Rand hat und deswegen bei starkem Weitwinkel nicht an den Bildkanten stört.

Grauverlauf-Filter

Über den Sinn von Grauverlaufsfiltern streiten sich die fotografierenden Zeitgenossen. Im Prinzip ist so ein Filter eine klare Glasscheibe, deren eine Hälfte grau getönt ist, wobei der Übergang von Klar zum Grau mehr oder weniger weich erfolgt. Eingesetzt wurde der Filter beim Fotografieren auf Film, wenn beispielsweise starke Kontrastunterschiede zwischen hellem Himmel und dunklem Vordergrund angeglichen werden sollten. Für die Kamera konnte so der helle Teil abgedunkelt werden, damit eine einheitlichere Belichtung erzielt wird. Im Himmel kamen somit beispielsweise eindrucksvolle Wolkenstrukturen besser zur Geltung. Manche meinen, dass man diesen Effekt bei Fotos aus leistungsfähigen Digitalkameras heute auch am PC nachholen kann, während Fotoästheten der Auffassung sind, dass durch die extensive Bildbearbeitung zu viele Bildinformationen zerstört werden. Letztere befürworten deshalb nach wie vor den Einsatz von Grauverlaufs-Filtern.

Bei Immobilienfotos spielt ein Grauverlaufs-Filter eine eher untergeordnete Rolle. Wer einen besitzt, wird ihn hin und wieder bei Außenaufnahmen einsetzen.

Neutraldichte-Filter

So genannte ND-Filter sind mit dem Grauverlaufsfilter verwandt, nur dass sie eben keinen Verlauf, sondern einen einheitlichen neutralen Grauton aufweisen. Es gibt Situationen, da herrscht zuviel Licht, um bestimmte Bildstimmungen zu erzielen. Dann kommt diese Art „Sonnenbrille für die Kamera“ zum Einsatz. Der Lichtverlust lässt sich durch eine stärkere Öffnung der Blende, durch eine Verlängerung der Belichtungszeit oder durch eine Erhöhung der Sensorempfindlichkeit ausgleichen.

Zum Einsatz kommen ND-Filter häufig bei der Videoproduktion, nämlich wenn die Belichtungszeit eines Motivs für das Videoergebnis zu hoch ist.

Effektfilter

Effektfilter kennen viele noch aus dem letzten Jahrtausend. Durch bestimmte Schliffe im Filterglas konnten Sterne, Unschärfen oder Mehrfachabbildungen auf das Foto gezaubert werden. In der ernsthaften Immobilienfotografie sehe ich keinen Einsatz.

Montage-Varianten

Alle der genannten Filter gibt es als Rundfilter in einer Metallfassung. Sie werden in das dafür vorgesehene Gewinde an der Objektivvorderseite geschraubt. Hat man mehrere Objektive mit verschiedenen Frontdurchmessern, braucht man mehrere Filter des gleichen Typs in unterschiedlicher Größe. Es gibt aber so genannte Step-Up-Ringe, die man vor das Objektiv setzen und dann auch an kleinen Objektiven einen größeren Filter montieren kann.

Einige besonders große Objektive haben Filterschubladen in der Nähe des Kameraanschlusses, in die ein deutlich kleinerer Filterdurchmesser eingesetzt werden kann.

Außerdem gibt es Filterhalter, die vor dem Objektiv angebracht werden. Hier werden die Filter in Form von rechteckigen Glasplatten eingeschoben. So kann man beispielsweise bei Grauverlaufsfiltern die vertikale Position des Verlaufs auf dem Bild bestimmen. Außerdem helfen diese Filteradapter bei Objektiven, die aufgrund einer stark gewölbten Frontlinse keine Möglichkeit eines Gewindeanschlusses bieten.

Fazit

Für die Immobilienfoto- und videografie sind eigentlich nur zwei Filter wirklich interessant: Der Polarisationsfilter und der Neutraldichtefilter. Mit dem Polfilter lässt sich ein Großteil der unerwünschten Reflexionen kontrollieren. Der ND-Filter ist für Videografen unentbehrlich. Der Verlaufsfilter ist eigentlich keine Erwähnung wert, während UV- und Effektfilter überflüssig und unerwünscht sind.

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