Untersuchung: Einsatz von Immobilienfotos auf Onlineportalen

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 18. Juli 2016 - in: Marketing

Einsatz von Immobilienfotos auf OnlineportalenEndlich neue Zahlen. Bereits vor zwei Jahren hatte ich erhoben, wie gut sich Interessenten im Netz über Immobilienobjekte visuell informieren können. Damals gab es ein verheerendes Ergebnis: Gerade mal 10 Prozent der Angebote enthielten akzeptable Immobilienfotos. Für die Analyse wurden 320 Anzeigen bei Immobilienscout24 herangezogen, beschränkt auf meinen Heimatmarkt Berlin und ab einem Kaufpreis von 750.000 EUR, jedoch ohne Miethäuser. In diesem gehobenen Segment wäre ein deutlich besseres Ergebnis zu erwarten gewesen. Die Analyse von 2014 finden Sie hier.

Jetzt, exakt nach 24 Monaten, habe ich die gleiche Analyse wieder vorgenommen. Die Angebotszahl lag diesmal bei 313 Objekten – also nahezu unverändert. Die teuerste Immobilien wurde mit knapp 13 Millionen EUR angeboten. Folgende Entwicklung war zu verzeichnen:

  1. Der Einsatz professioneller Aufnahmen war leicht rückläufig (1 Prozent).
  2. Die Zahl der ambitioniert fotografierten Liegenschaften ohne professionellen Bildstil hat sich etwa verdoppelt.
  3. Die Zahl der Objekte mit inakzeptabel schlechten Fotos sank immerhin um 17 Prozent. Das ist aber kein Ruhmesblatt, denn …
  4. Die Zahl der Objekte ohne verwertbare Fotos hat sich im Gegenzug mehr als versiebenfacht!

Die Kategorien

Professionelle Immobilienfotos erkennt auch der Laie sofort. Sie scheinen zu strahlen, zeigen exakt belichtete Räume und Außenanlagen, sind scharf, genau ausgerichtet und geben Details selbst in den hellsten (Fenster) und den dunkelsten (Möbelschatten) Bereichen wider.

Ambitioniert aufgenommene Objektfotos zeigen eine deutliche Tendenz in Richtung der zuvor genannten Qualität, dennoch fehlt ihnen mindestens eines der aufgeführten Merkmale. Das liegt meist an der noch nicht optimalen Ausrüstung, an mangelnder Erfahrung und manchmal auch am fehlenden Feinschliff in der nachträglichen Bildbearbeitung.

Schlechte Immobilienaufnahmen zeichnen sich nach wie vor aus durch:

  • falsche Belichtung (es scheint auszureichen, dass auf dem Kameradisplay überhaupt etwas erscheint)
  • stürzende Linien (falsche Kameraposition, laxe Fotohaltung, die eindeutig vom Knipsen mit dem Smartphone herrührt)
  • unscharfe Abbildung (mangelnde Kamerastabilität und Ungeduld während der Aufnahme)
  • starkes Bildrauschen (das liegt am winzigen Fotosensor, auch bei Smartphones, und deren Automatikeinstellung)
  • mangelhaften Bildaufbau (gedankenlose Kamerapositionierung und ungeschickte Korrektur von Fehlstellungen)
  • Einsatz des Kamerablitzes zum Ausleuchten ganzer Räume (dabei sollte sich doch herumgesprochen haben, dass seine Leistung lediglich als Partyblitz taugt)

Zu den Angeboten ohne brauchbare Aufnahmen zählen auch jene Objekte, die nur das Logo des verantwortlichen Vertriebs einblenden. Andere Offerten in dieser Kategorie zeigen häufig ein bis vier Beispielfotos oder Renderings, die nur bedingt mit dem angebotenen Objekt zu tun haben. Einige Anbieter zeigen keine Bilder, um die Privatsphäre der Noch-Eigentümer zu schützen. Auch sie fallen in dieses Loch.

Der Vergleich

Hier der grafische Vergleich beider Analysen:

Qualität von Immobilienfotos im Netz - Vergleich 2014 zu 2016

Qualität von Immobilienfotos im Netz – Vergleich 2014 zu 2016

Trends und Erkenntnisse

Besonders auffällig war, dass viele der ambitionierten Selbstfotografen offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht und sich mit etwas Grundwissen zur Immobilienfotografie ausgestattet hatten. Jedoch reicht es eben nicht, die Kamera gerade auszurichten, am Gerät den HDR-Schalter umzulegen und im kostenlosen Bildbearbeitungsprogramm Google-Picasa an den Reglern zu zupfen.  Diese Immobilienprofis sind auf einem guten Weg, brauchen jedoch einen exakten Workflow, mit dem sie schnell eindrucksvolle Aufnahmen erstellen können. Wie das geht, steht am Ende des Beitrags. 😉

Bei den Objekten mit schlechten Aufnahmen oder ohne richtige Bilder taten sich insbesondere die Filialen einiger Großvertriebe hervor. Dabei ließe sich gerade hier eine konsequente Ausbildung der Mitarbeiter oder Franchisenehmer effizient organisieren. Falls von diesen Anbieter dann doch einmal akzeptable Aufnahmen ausgewählt wurden, wurde die Präsentation häufig durch das Hinzufügen selbstgeknipster Aufnahmen des Umfeldes entwertet. Gefunden wurden unter anderem Gartenbüsche, Enten, Katzen und verwitterte Bootsstege – allesamt ohne Aussagekraft. Der Interessent wird damit eher gelangweilt, statt umworben.

Apropos Bootssteg. Berlin hat viele Wassergrundstücke. Sehr viele. Doch Makler scheinen es mit dieser Information sehr gut zu meinen. In so manchem Angebot stecken ebensoviele Ufer- und Wasseransichten – übrigens bei jedem Wetter aufgenommen – wie Aufnahmen von Haus und Hof. Das wirkt auf den Betrachter recht verstörend.

Und es gibt ein immer wieder bewundertes Phänomen: Die liebevolle Collage. Da hatte jemand offensichtlich mal die magische Zahl von 10 bis 20 Abbildungen je Exposé gehört, und sich gedacht, dass es schade wäre, auf die vielen schönen Knipsereien unter den 180 Aufnahmen auf der Speicherkarte zu verzichten. Als ideale Lösung montierte man also mehrere Fotos neben- und übereinander und schickte sie als ein einziges Foto an den Scout. Haken an der Sache. Da sich mehrere Aufnahmen nun den Platz eines einzelnen Immobilienfotos teilen müssen, sind alle Bilder entsprechend kleiner. Und das bei der ohnehin nicht üppigen Bilddarstellung der meisten Immo-Plattformen. Wer diese Collagen angestrengt entschlüsseln muss, dem vergeht die Freude an der Immobiliensuche.

Und letztlich gibt es Freunde, die es mit der nachträglichen Bildbearbeitung gern übertreiben.

  • Man kann ein Foto auch überschärfen!
  • Und zu bunt sollte man es auch nicht treiben (selbst wenn beim Nachbarn das Gras immer grüner zu sein scheint).
  • Hatten überstrahlte Fenster bei Innenaufnahmen noch Details, dann erschienen sie manchmal entsättigt (also fast grau/weiß). Das kann aber auch an der preiswerten Retuschesoftware gelegen haben.

Hartnäckig hält sich übrigens auch die Ansicht, dass ein Rahmen um ein Bild gehört. Erstaunlich, mit welchen Kreationen hier wertvoller Bildplatz vergeudet wird.

Das Fazit

Die Zahl der brauchbaren Aufnahmen (professionell und ambitioniert entstandene) hat sich im Vergleich zu vor zwei Jahren um knapp 3 Prozent erhöht. Diese Anbieter haben begriffen, dass ihre Immobilienfotos in erster Linie der Werbung dienen – insbesondere in dem von mir für diesen Beitrag untersuchten Sektor.

Schlechte Aufnahmen werden inzwischen weniger oft verbreitet – dafür wird jedoch häufiger überhaupt auf Objektbilder verzichtet.

Die Zahl und Bandbreite der Mankos bleibt unverändert. Schuld an diesem Stillstand ist meiner Meinung nach die Werbung, die uns verheißt, dass wir mit einem Smartphone jede Lebenssituation bewältigen können – auch die Fotografie. Das mag auf Urlaub, Kinder, Haustiere und Party zutreffen. Die speziellen Bedingungen für Immobilienfotos (Licht, Enge, Instabilität) gehören aber nicht dazu.

Wer es ernst meint und zur Spitze aufschließen möchte, dem bleibt also nur der Gang zum Profi oder ein Platz auf der Schulbank. Bei PrimePhoto finden Sie beides.

 
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