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Wie viele Megapixel brauche ich für gute Bilder?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 8. Februar 2017 - in: Fragen und Antworten

Wie viele Megapixel brauche ich für gute Bilder?Das Rennen der Kamerahersteller um die Kundengunst mit werbewirksam immer höheren Megapixel-Zahlen hat nicht an Fahrt verloren. Nikon, Sony und seit einiger Zeit auch Canon agieren mit 36, 42 und 50 Megapixel-Kameras am Markt. Und die Gerüchteküche brodelt: Zur letzten Foto-Leitmesse Photokina in Köln wurde erwartet, dass Hersteller erstmals in dieser Kameraklasse 75 Megapixel zeigen. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Statt dessen gab es im Umfeld der Messe lediglich zwei interessante Kameras, die aber keine wirklichen Neuheiten waren, sondern lediglich kleine Verbesserungen gegenüber ihren Vorgängermodellen aufwiesen.

Wir sagen Ihnen:

  • wie viele Megapixel wirklich nötig sind,
  • welche technischen Grenzen es derzeit gibt,
  • was Sie tun müssen, um größere Bilder zu produzieren.

Wenn Sie neugierig sind und nicht den gesamten Text lesen wollen, dann ist das die Antwort auf die Frage im Titel dieses Beitrags:

Mit 12 bis 24 Megapixel liegen Sie richtig.

Am Ende dieses Beitrages finden Sie unsere passenden Empfehlungen für Kamera-Objektiv-Kombinationen.
(Stand: Februar 2017)

Zwei kleine Hinweise

  1. Die erste Version dieses Beitrags erschien im März 2015. Doch die technische Entwicklung schreitet rasant voran. Deshalb aktualisieren wir diesen viel beachteten Artikel regelmäßig, so dass sich auch die Empfehlungen immer wieder ändern.
  2. Ursprünglich richtete sich dieser Beitrag an Immobilienprofis, die ihre Objekte in hoher Qualität ablichten möchten. Da aber auch „normale“ Fotografen zunehmend Interesse zeigen, werden wir ihn nach und nach auch für andere Fotogenres updaten.

Viele Feinheiten im Bild zu haben, ist für die Fotos von Architektur, Design und Immobilien wichtig. Aber auch für Außenaufnahmen, Landschaften und Porträts gilt dieser Grundsatz. Schnell ist das Argument bei der Hand, dass man dafür nur genügend Megapixel haben muss. Bis zu einer bestimmten Pixelanzahl trägt die Steigerung der möglichen Bildauflösung zu größeren Fotos mit stärkerem Detailreichtum bei. Doch ab einer bestimmten Stufe sind dem Vorhaben mehrere Grenzen gesetzt. Im folgenden Beitrag geht es um das Fotografieren mit aktuellen digitalen Spiegelreflexkameras und Systemkameras. Kompaktapparate oder gar Handys sind ebenso wenig Bestandteil der Diskussion wie auch die sehr hochwertigen Mittel- oder Großformatkameras.

Erschwingliche Optik ist am Limit

Fotografiert wird nicht nur mit der Kamera. Auch die Optik vor dem Sensor muss ihren Beitrag zu einem kontrastreichen, scharfen und detailreichen Bild leisten. Aktuell sind die verfügbaren Spitzenoptiken nicht immer in der Lage, geringere Feinheiten als 6 Mikrometer (0,006 mm) auf einem Kamerasensor aufzulösen. Schon das ist eine beeindruckende Zahl. Überträgt man dies auf einen Vollformat-Sensor, so ist die Grenze bei 24 Megapixel erreicht. Dahinter steckt einfache Mathematik:

(24 mm / 0,006 mm) x (36 mm / 0,006 mm) = 4.000 x 6.000 = 24.000.000

Weit verbreitet sind auch die kleineren Sensoren aus dem preiswerteren Segment der digitalen Spiegelreflexkameras. Für sie ergibt sich nur ein Wert von rund 10 Megapixel.

Nikon DX-Sensor (der APS-C-Sensor von Canon ist geringfügig kleiner):
(15,8 mm / 0,006 mm) x (23,6 mm / 0,006 mm) = 2.633 x 3933 = 10.355.589

Dabei reden wir hier nur von den wirklich starken Spitzenoptiken und idealen Aufnahmeparametern wie Bildmitte und Blendenöffnung. Zu den Bildrändern hin verschlechtert sich das Auflösungsvermögen aller Objektive, auch bei extrem geöffneter oder geschlossener Blende leidet die Qualität. Bei Zoom-Objektiven ändert sich die Qualität auch mit der jeweils verwendeten Brennweite. Für weit verbreitete Megazooms und Kit-Objektive sind diese Werte mitunter deutlich schlechter. Eine Ausnahme bildet derzeit ein auf Sony-Kameras adaptiertes Zeiss-Zoom (16-35). Die gängigsten Objektive für Architektur und Immobilien und die dazu gehörenden Maximalauflösungen an aktuellen Kameras finden Sie in der folgenden Tabelle:

Vollformat (FX)
max. Auflösung
Nikkor AF-S 14-24mm f/2.8G ED
24 MPix
Nikkor AF-S 16-35mm f/4 G ED VR
23 MPix
Canon EF 17-40mm f/4 USM L
18 MPix
Canon EF 16-35mm f/2.8 USM L II
19 MPix
Canon TS-E 24mm f/3.5 L II
21 MPix
Carl-Zeiss Vario-Tessar T* FE 16-35mm f/4 (Sony)
33 MPix
APS-C-Format (DX)
max. Auflösung
Nikkor AF-S DX 10-24mm f/3.5-4.5G ED
11 MPix
Canon EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 USM
9 MPix
Sony 11-18mm f/4.5-5.6 DT
8 MPix
Tokina AF 12-24mm f/4 AT-X Pro DX II (Nikon)
12 MPix
Sigma AF 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM (Canon)
7 MPix

Die Werte basieren auf den MTF-Messungen von www.photozone.de.

Was passiert also? Haben Kameras höhere Auflösungen als die angeschlossenen Objektive, verteilen sich die darstellbaren Details möglicherweise auf mehr aneinandergrenzende Pixel. Von „pixelscharf“ ist dann also nicht mehr die Rede.

Die Entwicklung besserer Optiken würde vermutlich in exorbitant hohe Objektivpreise münden, die die Fotografie wenig massentauglich und für Allround-Profis kaum wirtschaftlich machen würde.

Herausforderung für die Elektronik

Die Hersteller geben sich sehr viel Mühe, um die optischen Bildinformationen immer besser zu einer Bilddatei zu verarbeiten. Die Bilder werden immer rauschärmer, so dass man inzwischen auch mit höheren Empfindlichkeiten akzeptable Ergebnisse erreichen kann. Die Bilddynamik, also der Bereich zwischen den hellsten und dunkelsten Bildteilen mit erkennbaren Details, hat zugenommen. Außerdem lassen sich trotz größerer Datenmengen seit Jahren annähernd gleiche Bildraten im „Dauerfeuer“-Modus erzielen. Das ist wirklich beachtenswert.

Dennoch ist der Platz auf einem Kamerasensor begrenzt. Je mehr Pixel ein Sensor haben sollen, um so kleiner müssen diese sein. Doch damit gibt es ein neues Dilemma. Nicht nur, dass die Herausforderung an die Konstruktion immer kleinerer lichtempfindlicher Zellen enorm steigen. Viele solcher Bauteile beeinflussen sich außerdem gegenseitig elektrisch, sobald die Aufnahmebedingungen (beispielsweise Helligkeit und Temperatur) nicht mehr ganz ideal sind. Damit sorgen sie für mehr Aufwand bei der Signalverarbeitung oder münden in schlechtere Bildqualität. Auch hier gilt, dass die teureren Profigeräte diese Problematik besser lösen, als Kameras für Einsteiger (von Kompaktkameras oder Handykameras ganz zu schweigen).

Die Hersteller haben diese Herausforderung für Auflösungen von rund 24 (FX) beziehungsweise 12 (DX) Megapixeln sehr gut im Griff.

Dann würde sich für viele Fotografen auch gleich ein weiteres Problem erledigt haben: Die deutlich kleinere Datenmenge kann auch von älterer Computertechnik bewältigt werden. Mit der Ersparnis könnten sie in Fototechnik oder neues Fotowissen investieren.

Wieviele Megapixel sind denn nun nötig?

Bei Aufnahmen für das Internet reichen für Fotos mit Seitenverhältnis 3:2 und 1000 Pixel Kantenlänge theoretisch 0,7 Megapixel.

Für Fotos in Druckereiqualität (300 dpi) benötigt ein Bild in vergleichbarer Größe (ca. 27 x 18 cm) rund 7 Megapixel.

Gern hat der Fotograf aber für beide Varianten etwas Spielraum, etwa um

  • einen etwas besseren Bildausschnitt zu wählen,
  • ein Hochformat in ein Querformat (oder umgekehrt) umzuwandeln,
  • an allen Rändern etwas Platz für die finale Bildbearbeitung zu haben (das Entzerren und Ausrichten von Bildern benötigt diesen Platz ganz dringend).

Also sind wir auch hier in der Klasse zwischen 12 und 24 Megapixel wieder auf der sicheren Seite.

Was aber, wenn ich größere Bilder ausdrucken lassen will?

Selbst hier werden praktisch nicht mehr Megapixel benötigt (auch wenn die Theorie uns etwas anderes vorgaukelt). Denn bei größeren Fotos entscheidet immer auch der Betrachtungsabstand. Je weiter weg man von einem Bild steht, um so weniger fallen dem normal scharfsichtigen menschlichen Auge unregelmäßige Feinheiten, wie einzelne Bildpunkte oder Unschärfen an Kontrastkanten auf. Eine Faustregel besagt: Um ein großformatiges Bild ganzheitlich wahrzunehmen, sollte der Betrachtungsabstand immer mindestens so groß sein, wie Bilddiagonale. Je größer ein Foto also ist, um so weiter steht man davor entfernt, um es zu betrachten.

Es gibt natürlich Zeitgenossen, die gern ganz dicht heranrücken und nach Makeln suchen. Diese so genannten „Pixelpeeper“ scheuen nicht einmal davor zurück, eine Lupe zu zücken. Wer jedoch schon einmal direkt vor einem großen Werbeplakat gestanden hat, wird erkannt haben, dass aus unmittelbarer Nähe nichts als bunte Punkte zu sehen sind. Erst aus gebührender Entfernung entfaltet sich der ganze Zauber der Werbebotschaft.

Bildformat
Betrachtungsabstand
Leinwanddruck 40 x 60 cm
0,72 m
Fotoposter 60 x 90 cm
1,08 m
Gallery Print 100 x 100 cm
1,41 m
Panoramabild 60 x 180 cm
1,90 m
Fototapete 250 cm x 300 cm
3,90 m

In der Praxis sieht es oft so aus, dass das Labor eine Mindestauflösung für die großformatige Ausbelichtung von Fotos vorgibt. Falls sich diese mit der Kamera nicht erreichen lässt, kann man getrost per Software nachhelfen und das Foto mit einer geeigneten Methode „aufblasen“. Photoshop hilft hierbei ganz gut weiter. Die dadurch verminderte Detailqualität wird aufgrund des späteren Betrachtungsabstandes nicht auffallen.

Wir kommen also wieder zu dem Schluss, dass 12 bis 24 Megapixel für sehr gute Fotos ausreichen.

Fazit

Das menschliche Auge ist heute kaum noch in der Lage, die aktuell durchschnittliche Auflösungen von den Spitzenwerten zu unterscheiden. Wer also jetzt eine gute Kamera aus dem oberen Mittelfeld kauft, wird an ihren Megapixeln lange Freude haben.

Empfehlung

Update: Februar 2017
Unsere aktuelle Empfehlungen für geeignete Kamera-Objektiv-Kombinationen für die Immobilienfotografie (per Klick auf die Empfehlung gelangen Sie zu Amazon):

Nikon Vollformat

Nikon D750
Digitalkamera Nikon D750
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Qualitativer Meilenstein für die Vollformat-Fotografie.

Nikon AF-S Zoom-Nikkor 14-24mm 1:2,8G ED
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Ideale Brennweitenspanne für Immobilienfotos.

Nikon DX-Format

Nikon D5600
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Guter Kompromiss aus Qualität und kompakter Bauweise.

Nikon AF-S DX 10-24mm 1:3,5-4,5G ED
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Erste Wahl für Nikon-Kameras mit DX-Sensor.

Canon Vollformat

Canon 5D Mark III
Canon 5D Mark III
Eines der Flaggschiffe aus dem „roten Hause“, 1A Bildqualität.

Canon EF 16-35mm 1:2,8L II USM
Canon EF 16-35mm 1:2,8L II USM
Scharfe Abbildung und guter Kontrast für Canons.

Canon APS-C-Format

Canon 7D Mark II
Canon 7D Mark II
Kompakter Neuling mit besonders starker Leistung.

Canon EF-S 10-22mm 1:3,5-4,5 USM
Canon EF-S 10-22mm 1:3,5-4,5 USM
Laut PFRE das von Canon-Immobilienfotografen meistbenutzte Objektiv.

 
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