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Wie wird mein Foto absolut scharf?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 17. Februar 2015 - in: Fragen und Antworten | Tutorials

Wie werden meine Fotos wirklich scharf?In der Immobilienfotografie gibt es einen festgeschriebenen Grundsatz:
Das Bild muss scharf sein. Erst wenn mehrere Voraussetzungen passen, entsteht ein scharfes Foto. 

Bildschärfe kommt für das menschliche Auge und auch für die Kamera immer an den harten Kanten zwischen hellen und dunklen Bildbestandteilen zustande. Blickt man hingegen auf eine strukturlose einfarbige Fläche, kann man nicht sagen, ob diese Abbildung scharf ist, weil es keine Anhaltspunkte gibt. Ebenso verhält es sich bei gleichmäßigen Verläufen von Farben oder Helligkeiten. Je stärker jedoch der Kontrast und je deutlicher der Unterschied zwischen Hell und Dunkel ist, um so schärfer erscheint ein Bild.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die optische Abbildungsqualität stimmt. Alle Kontraste müssen adäquat auf den Kamerasensor übertragen werden.

Die dritte Bedingung ist, dass der Fotograf bei der Einrichtung der Kamera und beim Auslösen der Aufnahme für einen absolut stabilen Stand der Kamera sorgen muss. Auch das Motiv muss still halten, damit keine Bewegungsunschärfe entsteht.

Digitale Bildschärfe basiert auf einer optischen Täuschung

Bei der heutigen Fototechnik ist Bildschärfe eigentlich eine optische Täuschung. Digitale Fotos basieren auf quadratischen Pixeln. Diese Bildpunkte haben neben ihrer Farbe immer einen bestimmten Helligkeitswert. Erfolgte die Farb- und Helligkeitstrennung streng, dann würde bei Kanten, die nicht absolut genau waagerecht oder senkrecht verlaufen, ein auffälliges Treppenmuster entstehen. Um das zu verhindern, rechnen die Computer in der Kamera und auf dem Schreibtisch einige Übergangspixel hinzu – aus der Schärfe wird eine kontrollierte Unschärfe. Diese nehmen wir bei einer 1:1-Vergrößerung des Bildes aber nicht wahr, weil wir die winzigen Übergangspixel nicht als einzelne Bildpunkte erkennen können. Dem menschlichen Auge sind hier Grenzen gesetzt, so dass es diese Täuschung akzeptiert. Vergrößern wir aber stärker, dann wird diese gewollte Unschärfe erkennbar.

Wenn wir jedoch von scharfen und unscharfen Fotos reden, dann sind dies Bildeigenschaften, die über diese kontrollierte Unschärfe hinausgehen.

Arten von Unschärfe

Unschärfe entsteht entweder durch optisch leistungsschwache Ausrüstung (billige Linsen in Objektive), durch falsche Bedienung der Kamera (nicht genau fokussiert), durch Bewegung der Kamera während des Auslösens (verwackelt) oder durch Bewegung von Teilen des Motivs (beispielsweise Windbewegung in Pflanzen).

Es wird also unterschieden zwischen der optischen Unschärfe wegen schlechter Fokussierung und der Bewegungsunschärfe. Bei letzterer unterscheidet man noch zwischen der Unschärfe durch Bewegung der Kamera oder durch Bewegung des Objektivs während der Aufnahme. Natürlich sind auch Kombinationen von einigen oder allen Komponenten denkbar.

Scharfe, unscharfe und verwackelte Fotos

Scharfe Fotos zeigen glatte Kanten an den Hell-Dunkel-Unterschieden. Unscharfe Aufnahmen sind gleichmäßig verschwommen. Verwackelte Bilder zeigen oft doppelte Kanten.

So lässt sich Unschärfe verhindern

Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Faktoren, die die Bildschärfe beeinflussen:

  • Aufnahmebedingungen (klare Sicht, Helligkeit, Kontrast)
  • Fotoausrüstung (Art der Kamera, Leistung des Objektivs, Kameraständer)
  • Fotograf (bei Fotos aus freier Hand: Haltung der Kamera, Standfestigkeit, Atemtechnik)

Aufnahmebedingungen

Für Fotos braucht man Licht. Es sollte am Set also eine gute Grundhelligkeit vorhanden sein. Mindestens so, wie tagsüber im Freien bei bedecktem Himmel. Nebel, Staub oder andere Luftverschmutzung setzen den Schärfeeindruck herab. Eine strahlende Lichtquelle seitlich oder hinter der Kamera sorgt für klare Schatten und damit für hohe Kontraste. Die wiederum bewirken bekanntlich ein scharfes Bild. Allerdings sind sehr starke Schatten in den allermeisten Fällen kontraproduktiv, da der Betrachter auch gern die Details in den Schattenbereichen sehen will. Aktuelle Kameras, die das ermöglichen, sind derzeit eher im preisintensiven Segment zu finden. Preiswertere Kameras sind weniger geeignet, um Bildteile in starkem Licht und dunklen Schatten gleichermaßen detailreich darzustellen. Sie verfügen nicht über die erforderliche Dynamik.

Ein weiterer Aspekt ist der Untergrund, auf dem die Kamera steht. Er sollte absolut solide sein. Kritisch wird es oft bei Brücken und Balkonen oder aber auch bei Dielenfußböden. Diese schwingen oder vibrieren meist unter der Last beweglicher Transporte und bewirken Kameraverwackler. Hier ist also so lange zu warten, bis die erforderliche Ruhe eingekehrt ist.  Wichtig ist auch, sich selbst nicht zu bewegen. Eine weitere kritische Komponente kann übrigens starker Wind sein.

Fotoausrüstung

Eine hochwertige Spiegelreflexkamera oder Systemkamera sorgt mit ihrer ausgefeilten internen Signalverarbeitung für scharfe Fotos. Bedingung ist allerdings, dass ein Objektiv verwendet wird, das über eine hohe optische Güte verfügt. Preiswerte Objektive haben oft einen Kunststoffkorpus, in dem billige Linsen verbaut sind. Das verstärkt die zum Bildrand hin abnehmende Qualität. Auch hier ist also das höherpreisige Segment überlegen. Zu berücksichtigen ist, dass heutige Objektive in ihrer optischen Qualität bereits an ihre Grenzen stoßen, wenn sie mit den aktuellen Mega-Sensoren von Profi-Kameras zusammenarbeiten sollen. Erst recht trifft das auf die winzigen Kunststofflinsen in Smartphones und sehr einfachen Schnappschusskameras zu.

Hinzu kommt ein fester Kamerastandpunkt. Ideal ist ein stabiles Stativ mit einem fest sitzenden Stativkopf für die Montage der Kamera. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Kamera berührungslos auszulösen, um auch kleinste Wackler zu vermeiden. Das kann durch die Nutzung der Selbstauslöser-Funktion an der Kamera erfolgen oder aber mittels separater Fernauslöser, mit denen per Kabel, Infrarot oder Funk fotografiert werden kann.

Zudem bieten einige Spiegelreflexkameras die so genannte Spiegelvorauslösung an. In der Kamera ist ein Spiegel verbaut, der im Bereitschaftszustand das Licht vom Objektiv nach oben in den Sucherkasten lenkt, damit von dort das Motiv beobachtet werden kann. Wird die Kamera ausgelöst, schnellt dieser Spiegel über einen Klappmechanismus nach oben und gibt für das Licht den Weg frei auf Verschluss und Sensor. Ist die Belichtung beendet, kehrt er in die Ausgangsstellung zurück. Um mögliche Verwacklungen durch den Spiegelschlag zu verhindern, bieten einige Kameras an, dass vor der Auslösung der Spiegel nach oben geklappt und dann eine kleine Pause von bis zu 2 Sekunden eingelegt wird, bevor das Licht auf den Sensor trifft. Damit können Vibrationen, die durch den Spiegelschlag verursacht wurden, abklingen. Das System schwingt also aus und ist während der Belichtung stabil.

Objektive und Kameras, in denen ein Bildstabilisator verbaut ist, benötigen diesen beim Fotografieren auf dem Stativ nicht. Im Gegenteil – er wirkt für scharfe Fotos oft schädlich, denn er versucht, eine Bewegung der Kamera auszugleichen und bringt dafür interne Bauteile zum leichten Schwingen. Da die Kamera jedoch fest steht, werden die Bilder künstlich verwackelt.

Fotograf – der menschliche Faktor

Die folgenden Hinweise betreffen größtenteils das Fotografieren aus freier Hand. Hier geht es darum, die natürliche Körperbewegung soweit zu reduzieren, dass mögliche Verwackler von der längest möglichen Belichtungszeit kompensiert werden können. Natürlich entscheidet die Tagesform des Fotografen, wieviele Tassen Kaffee zuvor konsumiert wurden 😉 und ob man konzentriert arbeiten kann.

Dann ist es wichtig, einen stabilen Stand einzunehmen. Ideal ist eine leichte Schrittstellung, um ca. 30° nach rechts verdreht, wobei die Füße ganzflächig auf dem Boden stehen sollten. Alternativ kann man sich auch an feststehende Elemente (Bauwerke, Bäume, Felsen) anlehnen.

Als nächstes kommt es auf die richtige Kamerahaltung an. An allen aktuellen Kameras liegt der Auslöser auf der rechten Seite. Der Kameragriff ist mit der rechten Hand fest zu umfassen. Der Zeigefinger liegt schon vor der Aufnahme auf dem Auslöser (nicht aus einigem Abstand antippen) und rollt mit immer höherem Druck über den Auslöseknopf bis die Aufnahme erfolgt. Die linke Hand umfasst während dessen das Objektiv von unten (Hand unter dem Objektiv, Daumen auf der linken Objektivseite). Nach Möglichkeit sind dabei die Ellenbogen eng an den Körper zu pressen, während das Motiv durch den Sucher anvisiert wird.

Aufnahmen, die freihand über das Kameradisplay gemacht werden, sind mangels dieser Möglichkeiten, die Kamera stabil zu halten, besonders verwacklungsanfällig. Hinzu kommt, inbesondere bei der Arbeit mit Tablet-Kameras, dass diese an eher ausgestreckten Armen gehalten und deshalb noch instabiler positionert werden. Verwackelte Aufnahmen sind damit vorprogrammiert.

Bei besonders langen Belichtungszeiten ist auch die Atemtechnik wichtig. Oft wird fälschlicherweise tief eingeatmet und einfach die Luft angehalten, damit Atembewegungen des Brustkorbs nicht die Kameraruhe stören. Doch beginnt der Fotograf allerdings schon nach kurzer Zeit zu schwanken. Richtig hingegen ist, einige Male tief Luft zu holen, dann normal einzuatmen, etwa ein Viertel auszuatmen (das wirkt entspannend), erst dann die Luft bis zur Aufnahme anzuhalten und innerhalb von fünf Sekunden auszulösen. Damit ist die maximale Stabilität erreicht.

Exkurs: Die richtige Belichtungszeit

Für das verwacklungsfreie Fotografieren mit einer Kleinbildkamera aus freier Hand gibt es schon seit vielen Jahrzehnten die Faustregel, dass der Nenner des Belichtungszeitwertes nicht kleiner als die verwendete Brennweite sein soll.

Beispiel:
120 mm => min 1/125 s
50 mm => min 1/60 s
14 mm => min 1/15 s

In analoger Zeit und zu Beginn des Digitalzeitalters funktionierte das recht zuverlässig. Jeder Fotograf wusste darüber hinaus, wo genau seine eigene Verwacklungsgrenze lag. Profis können allgemein länger still halten, Anfänger benötigen kürzere Belichtungszeiten.

Aktuell verändert sich diese Formel aber etwas. Das liegt an den inzwischen sehr hoch auflösenden Sensoren in modernen Digitalkameras. Gehen wir noch einmal zurück ins analoge Zeitalter, als diese Regel gebildet wurde: Leistungsstarke Filme mit ISO 100 oder 200 für den Massenmarkt konnten zwischen 100 und 160 Linien pro Millimeter sauber getrennt abbilden. Je höher die Empfindlichkeit wurde, um so weniger Linien waren darstellbar. Nehmen wir hier den Durchschnitt von 130 L/mm und das Kleinbild-Format von 24 x 36 mm, so lässt sich leicht ein Äquivalent von etwa 15 Megapixel errechnen:

(130 L/mm x 24 mm) x (130 L/mm x 36 mm) = 3120 L x 4680 L = 14.601.600 px

Das bedeutet für die Digitalfotografie also, dass etwaige Verwacklungs-Unschärfen bis 15 Megapixel bei Beachtung der Faustregel nicht auffallen. Höher auflösende Sensoren reagieren sensibler, weil mehr Pixel ganz einfach mehr Platz – auch für Verwackler – bereitstellen. Bis zu 36 Megapixel sind heute von Nikon und Sony bekannt, Canon wird im Laufe des Jahres zwei Modelle auf 50 Megapixel aufrüsten. Um die Faustregel einfach zu halten, empfehlen Profifotografen, beim Fotografieren mit hoch auflösenden Sensoren aus freier Hand, die Belichtungszeit noch einmal zu halbieren.

Beispiel:
120 mm => min 1/250 s
50 mm => min 1/100 s
14 mm => min 1/30 s

In einigen Kameras oder Objektiven helfen Bildstabilisatoren, längere Belichtungszeiten anzuwenden. Diese funktionieren heute schon sehr gut. Halbiert man den möglichen Effekt, den die Hersteller im Prospekt bewerben, ist man damit fast immer auf der sicheren Seite. Aber auch hier sind eben Grenzen gesetzt, ab denen ein Stativ erforderlich wird (dann aber bitte den Stabilisator wie beschrieben abschalten.)

Absichtliche Unschärfe

Es gibt durchaus Tendenzen in der Immobilienfotografie, auch mit Unschärfe zu spielen und so die scharfen Bildbestandteile hervorzuheben. Meistens sind dies jedoch Ergänzungsfotos oder Detailaufnahmen, die dem Objekt schmeicheln und zeigen, welche besonderen Qualitäten es neben der eigentlichen Bausubstanz, der Einrichtung und der individuellen Anmutung hat. Diese Art Bilder gehört eher in den Bereich der künstlerischen Fotografie und sind daher ein hübscher Bonus für den Verkäufer. Bevor man sich daran macht, sollte man zunächst die Hausaufgaben erledigen und die wirklich wichtigen Fotos für eine eindrucksvolle Objektpräsentation angefertigt haben.

Fazit

Scharfe Fotos entstehen unter folgenden Voraussetzungen:

  • klare Sicht, ausreichend Licht
  • hochwertige Kamera-Objektiv-Kombination
  • fester Kamerastandpunkt
  • berührungslose Auslösung
  • bewegungslose Motive

Wer selbst starke Immobilienfotos machen möchte, muss also genau beobachten, überlegt investieren und fleißig üben. Oder Sie besuchen meinen Workshop Grundlagen der Immobilienfotografie.

 
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