Wieviel Kreativität vertragen Immobilienfotos?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 25. November 2014 - in: Fragen und Antworten

Wieviel Kreativität vertragen Immobilienfotos?Immobilienfotos wandeln auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Kunstwerk, wobei der Kreativität Grenzen gesetzt bleiben.

Dennoch hat ein Immobilienfoto einen Auftrag – es soll für das Objekt werben. Allerdings muss es gleichzeitig dem Grundsatz der Wahrhaftigkeit folgen. Dem potenziellen Kunden darf also kein falscher optischer Eindruck vermittelt werden. Dabei machen Photoshop und Co. es uns doch so leicht. Wird ein Objekt nachträglich massiv geschönt, kann das den Tatbestand der Irreführung erfüllen und führt zu enttäuschten Mienen bei den Kunden.

Gleichzeitig gerät der Verkäufer oder Präsentator eines Objektes in Misskredit. Sobald bei einer nachfolgenden Besichtigungen der Schummel auffliegt, werden potenzielle Interessenten misstrauisch, nehmen von weiteren Schritten Abstand und sorgen womöglich für eine schlechte Propaganda. Um diesen schlechten Ruf aufzuholen, sind dann enorme Anstrengungen auf Seiten des Vermarkters erforderlich. Das betrifft dann sowohl das aktuelle als auch eine ganze Reihe folgender Projekte.

Natürlich kann man bei einer meist begrenzten Anzahl von Fotografien nicht jedes Detail einer Immobilie darstellen und somit auch nicht jeden Mangel publizieren. Hier ist dann auf der Seite des Vertriebs viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Der professionelle Immobilienfotograf beherrscht die Kunst, ein Objekt so originalgetreu wie möglich und gleichzeitig trotz sichtbarer Kleinmängel vorteilhaft abzubilden. Dazu hat er verschiedene kreative Mittel zur Hand.

  • Er kann durch die Wahl des Blickwinkels die Schokoladenseiten einer Immobilie hervorheben.
  • Er kann durch eine gefühlvolle Lichtführung oder die Wahl der Tageszeit dem Objekt schmeicheln.
  • Er kann durch die Einbeziehung natürlichen Bewuchses oder der Einrichtungsgegenstände die Vorteile eines Hauses unterstreichen.

Die Umsetzung eines solchen Vorhabens erfordert zum einen viel Erfahrung in ganz unterschiedlichen Szenarien. Andererseits lohnt sich die Investition in etwas mehr Zeit vor Ort, um ein Objekt genau zu studieren, die richtigen Entscheidungen zu treffen und anschließend die geeigneten Mittel zum Einsatz zu bringen.

Außerdem gibt es einige kleine Mängel, für die auch eine nachträgliche Bildbearbeitung akzeptabel erscheint. Und zwar immer dann, wenn der Mangel:

  • von kleinem Umfang ist,
  • sich nach billigem Ermessen mit vertretbar kleinem Aufwand beseitigen lässt,
  • dies nach Aussage des Verkäufers auch noch vor einem Besitzerwechsel erfolgt.

So bat mich kürzlich der Verwalter eines Berliner Miethauses, auf den frischen Fotos die kleinflächigen Grafittis am Hauseingang elektronisch zu retuschieren. Eine Spezialfirma sei beauftragt und hätte dafür eine halbe Stunde Aufwand veranschlagt. Für uns also kein Problem, den Retuschepinsel in Photoshop zu schwingen.

Alle störenden Gegenstände, die nicht fest mit dem Objekt oder dem unmittelbaren Umfeld verbunden sind, können unserer Auffassung nach ebenso aus dem Bild retuschiert werden. So verhält es sich beispielsweise mit Laub, Hundehaufen und Zigarettenkippen auf dem Gehweg, die in einer Großstadt auch bei häufiger Pflege durch einen emsigen Hauswart auf wundersame Weise immer gleich wieder auftauchen. Oder aber mit der Veränderung der Himmelsstimmung (wobei wir hier sehr vorsichtig vorgehen, denn wenn man einen regnerischen Himmel durch blauen Zenit und Schäfchenwolken ersetzt, wird ein Bild sofort unstimmig). Oder aber die Retusche von Spuren verschiedener Art und von Pfützen oder auch von bestimmten Spiegelbildern in Fenstern sowie von vorbeifliegenden Vögeln.

Anders steht es jedoch mit Dingen, die fest mit dem Haus verbaut oder in der Umgebung verankert sind. Dazu gehören Stromleitungen, Berge, Funkantennen, Straßenlaternen, Verkehrszeichen, Dachfenster oder Schornsteine. Hier raten wir unseren Kunden dringend, diese nicht retuschieren zu lassen, da ihr Vorhandensein möglicherweise die Entscheidung eines Interessenten beeinflusst hätte.

Wahrhaftigkeit bleibt das Gebot der Stunde.

 
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