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Wieviel Manipulation verträgt ein Immobilienfoto?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 5. Juli 2013 - in: Fragen und Antworten

Die Qualität und der Wahrheitsgehalt von Immobilienfotos tragen erheblich zum erfolgreichen Verkauf eines Objektes bei. Wieviel Inszenierung vor und während der Aufnahmen und wieviel nachträgliche Bildbearbeitung vertretbar sind, will dieser Beitrag erklären.

Vor und während des Shootings

Im Vorfeld eines Immobilienverkaufs muss alles dafür getan werden, ein Objekt so eindrucksvoll wie möglich darzustellen. Nötige Reparaturen oder Renovierungen sind Investitionen, die sich positiv in einem höheren Verkaufspreis niederschlagen – und sich gut für das Foto machen.

Der nächste Schritt betrifft die Inszenierung der Aufnahmen. Alle nicht mit dem Haus fest verbundenen Gegenstände können und sollen so verändert werden, dass ein angenehmes Ambiente entsteht. Für hochpreisige Objekte ist es ratsam, professionelle Homestager zu engagieren. In einigen Fällen lässt sich auch mit wenigen eigenen Handgriffen ein passender Look erreichen. Wir haben dazu eine Checkliste mit rund 40 grundlegenden Tipps vorbereitet.

Dann kommt der Fotograf ins Spiel. Er beeinflusst durch die Wahl des Aufnamestandpunktes, des Aufnahmewinkels und der Beleuchtung die Bildwirkung für den Betrachter. Im Vordergrund steht in jedem Fall, dass alle Bildinhalte möglichst wahrnehmungsnah abgebildet und gleichzeitig Fotos mit durchschlagender Wirkung aufgenommen werden.

  • Extreme Aufnahmehöhen wie Frosch- und Vogelperspektiven verbieten sich von selbst.
  • Gleiches gilt für extreme Weitwinkel. Sie würden dem Betrachter große Räume vorgaukeln.
  • Zusätzliches Licht darf die Inszenierung unterstützen oder dann eingesetzt werden, wenn aus technischer Sicht ein Ausgleich von extremen Helligkeiten erforderlich ist (weil eine Kamera von sich aus weniger Helligkeitsstufen abbilden kann, als das menschliche Auge zu erfassen in der Lage ist).

Während der Bildbearbeitung

Der erste Teil der Bildbearbeitung betrifft die Optimierung der vorhandenen Aufnahmeinformationen.

  • Die Veränderung von Helligkeit, Kontrast und Bildschärfe sind Standards, um die Bildwirkung zu unterstreichen.
  • Die Korrektur des Bildausschnitts und die Bearbeitung von Verzerrungen gleichen die Mängel an der Aufnahmetechnik zu Gunsten eines realistischen Bildeindrucks aus.
  • Perspektivkorrekturen erfolgen nach Möglichkeit schon vor der Aufnahme durch die Wahl des Aufnahmestandpunktes. Ihre nachträgliche extreme Reparatur verfälscht den Bildeindruck, weil bestimmte Fluchtlinien dann nicht mehr zur Aufnahmehöhe passen.
  • Farbkorrekturen sind manchmal nötig, um unterschiedliche Lichtquellen anzugleichen. Deren verschiedene Farbtemperaturen kann das menschliche Auge zu Weiß kompensieren, während die Kamera unbestechlich bleibt und das Bild nur auf eine Lichtfarbe justieren kann.
  • Keinesfalls opportun ist die Veränderung der Farbigkeit fest verbauter Bauteile (Fliesen, Putz, Dachsteine).

Im zweiten Teil geht es um die Manipulation eines Bildes durch Hinzufügen oder Löschen. Grundsätzlich sind derartige Manipulationen nicht zulässig. Dazu gehören unter anderem, der Austausch von Bildteilen, um Schäden an Innen- und Außenwänden zu vertuschen, aber auch das Entfernen von Hydranten, Verkehrsschildern oder Laternenpfählen. Es gibt unserer Ansicht nach aber einige zulässige Ausnahmen:

  • die Optimierung des Himmels (wenn man es übertreibt, wird es eh bemerkt und abgelehnt)
  • das Verschwindenlassen von Falten bei Teppich, Gardine und Tischtuch
  • die digitale Beseitigung von Flecken und Kratzern auf beweglichen Möbeln
  • das Ausschalten digitaler Leuchtanzeigen an elektronischen Geräten
  • das Entfernen einzelner Zweige, die in das Bild hineinragen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es drei Arten von Bildmanipulationen vor, während und nach der Aufnahme gibt:

  1. die notwendigen
    Sie gleichen Unzulänglichkeiten der Aufnahmetechnik gegenüber den menschlichen Sehgewohnheiten aus, wie beispielsweise:
    • Wahl des Aufnahmestandpunktes
    • künstliche Aufhellung von Schatten oder Abdunklung von Lichtern
    • Korrektur von Verzerrung und Verzeichnung
  2. die zulässigen
    Sie gelten von der medial-visuell geprägten Gesellschaft als allgemein akzeptiert, wie beispielsweise:
    • Inszenierung der Einrichtung und Korrektur im fertigen Bild
    • Bearbeitung des Himmels
    • Korrektur von Helligkeit, Kontrast, Schärfe
  3. die unzulässigen
    Sie gaukeln dem Betrachter eine Qualität oder Quantität vor, die nicht der Wahrheit entspricht, wie beispielsweise:
    • extreme Weitwinkel und Aufnahmepositionen
    • Retusche von Baumängeln
    • Hinzufügen oder Entfernen fest verbauter Bestandteile

Empfehlenswert ist, alle Verbesserungen bereits im Vorfeld der Aufnahmen vorzunehmen, damit sie dann wirksam abgebildet werden können. Alle mobilen Bestandteile können manuell oder digital werden, um die Bildwirkung zu verbessern. Die Fototechnik muss so eingesetzt werden, dass ein realistischer Bildeindruck wiedergegeben wird.

Eine letzte Anmerkung: Abgesehen von ethischen Bedenken muss jedes Immobilienfoto die Ist-Beschaffenheit des Objektes darstellen, um auch der rechtlichen Prüfung Stand zu halten. Ansonsten gilt ein Immobilienfoto als verfälscht.

 
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