3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung: Konflikt der Generationen

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 28. Juli 2026 - in: Top 100

3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung: Konflikt der Generationen

Während die Branche leidenschaftlich darüber streitet, ob die 3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung das ultimative Werkzeug oder lediglich ein Gimmick ist, verändert sich das Nutzerverhalten der Käufer. Besonders die nachwachsende Generation der unter 40-Jährigen, die heute über das nötige Kapital für Wohneigentum verfügt, begegnet den digitalen Nachbildungen ganzer Objekte oft mit einer gesunden Portion Skepsis. Sie bevorzugen lieber authentische Einblicke, die sich nahtlos in ihren digitalen Alltag zwischen Instagram und TikTok einfügen.

Wer hier als Immobilienprofi noch ausschließlich auf dynamische Renderings setzt, riskiert den Anschluss an die kaufkräftigste Zielgruppe der kommenden Jahre zu verlieren. Die moderne Vermarktung erfordert eine Abkehr von virtualisierten Welten hin zu echtem, emotionalem Content. Es ist wohl Zeit, die Prioritäten in der visuellen Kommunikation neu zu bewerten und den Fokus auf das zu legen, was neue Kundensegmente wirklich sehen wollen.

Herausforderungen der 3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung

Innerhalb der Immobilienbranche haben sich zwei klare Lager gebildet:

  • Die Befürworter schätzen die Möglichkeit, selbstgesteuerte Fernrundgänge durch Immobilien anzubieten. Sie haben in diese Technik investiert, spezielles Knowhow angehäuft und sind zum Teil auch ein wenig Stolz, dass sie diese Technologie beherrschen.
  • Die Kritiker hingegen schmunzeln über die wenig zeitgemäße Technik und monieren den Aufwand, der nicht immer in einer akzeptablen Conversion-Rate mündet.
3D-Rundgang mit Wegpunkten für die Erkundung der Immobilie

3D-Rundgang mit Wegpunkten für die Erkundung der Immobilie

Besonders interessant ist dabei die Reaktion der Zielgruppe U40. Oft werden 3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung von diesen Interessenten eher belächelt als bewundert. Viele assoziieren die virtuellen Ansichten und deren Steuerung mit Videospielen aus ihren Kindertagen, während sie heute völlig anderen Content gewohnt sind.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Gesinnungswandel ist nämlich der Konsum von Inhalten über soziale Medien. Die junge Käufergeneration fordert knappe, auf den Punkt gebrachte Informationen. Ein komplexes 3D-Modell, durch das man sich erst navigieren muss, empfinden viele als zeitfressend und unhandlich. Stattdessen bevorzugen sie Formate, die sie bereits aus ihrem privaten Umfeld kennen. Ein 30-sekündiges Hochformatvideo bietet hier den entscheidenden Vorteil. Es lässt sich überall konsumieren, sei es in der Bahn, in der Mittagspause oder auf der Couch. Mit Untertiteln kann in der Öffentlichkeit der Ton abgestellt werden. Es erfordert keine Einarbeitung in eine Steuerung, sondern liefert sofortige visuelle Reize und Informationen.

Virale Komponente spielt eine tragende Rolle

Hochformatvideo als Reel mit Untertitel

Hochformatvideo als Reel mit Untertitel

Ein Video im Hochformat auf einer sozialen Plattform ist darauf ausgelegt, mit nur einem Fingertipp geteilt zu werden. Wenn ein Interessent eine Immobilie sieht, die ihm gefällt, landet der Link zum Kurzvideo innerhalb von Sekunden in WhatsApp für den Partner oder wird in der Instagram-Story geteilt. Diese virale Sofortkomponente ließe sich mit geschlossenen 3D-Systemen nur bedingt erreichen.

Vorteil für den Makler: Durch das einfache Teilen steigern Sie Ihre virale Reichweite organisch und ohne zusätzliche Werbekosten. Die Vorteile der 3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung verblassen im Vergleich zu der Dynamik und dem Vertrauensvorschuss, den echte Videoaufnahmen generieren.

  1. Authentizität schafft Vertrauen bei jungen Käufern.
  2. Hochformatvideos sind perfekt auf das mobile Nutzerverhalten abgestimmt.
  3. Die Reichweite erhöht sich durch die einfache Teilbarkeit in sozialen Netzwerken.
  4. Echte Aufnahmen vermeiden Enttäuschungen bei der späteren Besichtigung.

Für Sie als Immobilienprofi mit Zukunftsvision bedeutet das: Investieren Sie in Ihre Fähigkeiten hinter der Kamera und in eine solide Videoverarbeitung, anstatt hohe Summen in externe Plattformen und spezialisiertes Equipment für 3D-Rundgänge zu stecken. Ein gut fotografiertes Objekt mit ergänzenden Video-Sequenzen als Hook auf Social Media vermittelt ein besseres Gefühl für die Immobilie als eine Simulation.

Aber: Die entstehenden Videos müssen sitzen. Keine Verwackler, keine Farbstiche, keine Belichtungsstolperer – klares Script, durchdachte Regie, geschulte Stimme. Sie dürfen handgemacht aussehen, müssen aber Mindeststandards  der oberen Mittelklasse erfüllen.

Zielgruppe für 3D-Rundgänge im oberen Alterssegment

Wenn der Altersschnitt Ihrer Hauptzielgruppe deutlich über der genannten Grenze liegt, dann produzieren Sie weiterhin die von denen geliebten 3D-Rundgänge. Diese Zielgruppe hat Zeit, sich mit Technik und Navigation auseinanderzusetzen, nutzt häufiger einen richtigen Computer statt eines mobilen Gerätes und ist in sozialen Medien noch auf eine gemächlichere Art und Weise unterwegs. Keine Häme an dieser Stelle – auch diese Kundengruppe will abgeholt werden. Wobei zu bedenken ist: Sie könnte mit dem Videocontent ebenso gut leben.

Zusammenfassung: Der Fokus auf echte Werte

Die Bedeutung der 3D-Rundgänge in der Immobilienvermarktung nimmt in dem Maße ab, in dem das Bedürfnis an schneller und kuratierter Information steigt. Käufer unter 40 Jahren bevorzugen schnelle, ehrliche Fakten in Form von Kurzvideos, die sich leicht in ihren digitalen Lifestyle integrieren lassen. Während steuerbare 3D-Modelle oft als unhandlich wahrgenommen werden, überzeugen Bewegtbilder durch Emotionalität und Griffigkeit.

Mit modernen Videoformaten nutzen Sie das Potenzial, um Ihre Reichweite zu steigern und eine engere Bindung zu jungen kaufkräftigen Interessenten aufzubauen.

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