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Brauchen Immobilienfotos HDR?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 30. Januar 2018 - in: Fragen und Antworten

Brauchen Immobilienfotos HDR?Immobilienfotos leben vom Detailreichtum. Grelles Fensterlicht oder Schatten machen sie oft zunichte. Hier kann HDR helfen.

Was ist HDR?

Die Abkürzung HDR kennen die meisten Nicht-Fotografen von ihrem Smartphone. Die Foto-App moderner Geräte hält eine HDR-Option bereit, mit der man besagte Details in gewissen Grenzen etwas besser sichtbar machen kann. HDR ist die Abkürzung des englischen Fachbegriffs „High Dynamic Range“. Man findet das HDR-Verfahren auch unter der Bezeichnung „Dynamic Range Increase“ (DRI). Der Dynamikumfang (Dynamic Range) beschreibt dabei jene Lichtzonen eines Bildes zwischen Hell und Dunkel, in denen Einzelheiten sichtbar sind.

Auch moderne UHD-Fernseher mit OLED-Technik (oder QLED bei Samsung) werben mit einer neuen High-Dynamic-Range-Vision.

Ohne HDR besteht folgendes Dilemma: Ist es zu hell (fast weiß) oder zu dunkel (fast schwarz), werden Details immer schlechter erkennbar. Bei Immobilienfotos ist das häufig der Fall: Außenanlagen erstrahlen im Tageslicht, und in Innenräumen gibt es gleichzeitig tiefe Schatten.

Hintergrund-Wissen

Das menschliche Auge ist in der Lage, etwa 24 so genannte Lichtwerte (das sind beispielsweise Blendenstufen einer Kamera) zwischen Hell und Dunkel gleichzeitig wahrzunehmen und darin Strukturen zu erkennen. Der genaue Wert hängt natürlich von körperlichem Zustand, Alter und Gesundheit ab.

Die Sensoren der besten modernen Fotoapparate kommen lediglich auf einen Wert von unter 15 LW, Mittelklassegeräte mit kleineren Sensoren liegen bei 12 bis 14 LW, Kompaktgeräte und neuere Smartphones bei etwa 10 LW, ältere Digitalkameras liegen häufig bei Werten um 6.

Was über die somit technisch limitierten Grenzbereiche in den Lichtern und den Tiefen hinausgeht, können Kameras von sich aus nicht darstellen. Gegenüber dem menschlichen Auge liefern aktuelle Apparate also einen Verlust des Dynamikumfangs zwischen rund 40 und 60 Prozent.

Mit HDR kann man das ausgleichen. Dieses Verfahren hilft nachträglich, den Dynamikumfang zu erweitern und Fotos das Darstellungsvermögen unseres natürlichen Sehens zu geben.

Wie entstehen HDR-Aufnahmen?

Für HDR-Fotos sind drei Möglichkeiten verbreitet.

In der Kamera

Man kann einige Fotoapparate anweisen, eine HDR-Aufnahme zu erstellen. Häufig werden dann beim Auslösen mehrere Aufnahmen unterschiedlicher Helligkeit schnell hintereinander erzeugt und mit einander verrechnet. Die Geräte-Software entscheidet selbständig, arbeitet bei krassen Lichtverhältnissen aber nicht immer optimal.

Links einfache JPG-Datei aus einem iPhone / rechts etwas mehr Einzelheiten in Lichtern und Schatten durch Smartphone-HDR

Bearbeitung einer einzelnen Aufnahme im RAW-Format

Zweite Möglichkeit, den Dynamikbereich zu erweitern, ist die Aufnahme als RAW-Datei, sofern die Kamera das anbietet. Hier werden die Daten nahezu roh, also unbearbeitet vom Sensor abgenommen – deshalb beinhalten sie den größtmöglichen Informationsgehalt. In der nachträglichen Bearbeitung am Computer hat man gegenüber einer herkömmlichen JPG-Bild-Datei einen wesentlich größeren Spielraum und kann in den Lichtern und den Tiefen häufig erstaunliche Einzelheiten sichtbar machen.

Mit einer geeigneten Software, beispielsweise Adobe Lightroom, ist es möglich, diese Rohdaten zu lesen und zu manipulieren. So können bei Innenaufnahmen sichtbare Einzelheiten im Außenbereich etwas realistischer zurückgeholt werden, obwohl dieser im Bild zunächst sehr überstrahlt aussieht. Einzelheiten im Innenraum bleiben gleichzeitig erkennbar. Gleiches gilt natürlich umgekehrt auch für Schattenbereiche. Der so gesetzte Dynamikbereich ist dennoch nicht beliebig erweiterbar.

Wer dagegen ein herkömmliches JPG-Bild fotografiert, erhält ein Foto, bei dem alle Informationen nach Gutdünken der Kamera fest eingebrannt sind. Manipulationen sind in diesem Fall strikte Grenzen gesetzt. An ein HDR-Bild ist nicht zu denken.

Links Original-JPG-Datei aus der Kamera / rechts erhöhter Dynamikumfang mit mehr Einzelheiten (Außenbereich, Stoffe, Holz) nach HDR-Bearbeitung der RAW-Datei

Größter Spielraum bei Kombination mehrerer RAW-Fotos und anschließender Bearbeitung

Die dritte Variante ist etwas aufwändiger, produziert aber wesentlich klarere Aufnahmen, die an die Leistung des menschlichen Auges (ca. 24 LW) heranreichen können. Hier werden mehrere Aufnahmen unterschiedlicher Helligkeit vom exakt gleichen Bildausschnitt gemacht. Die unterbelichteten Fotos geben Details in den hellen Teilen wieder, die normal belichteten zeigen die Einzelheiten in den Mitteltönen und die überbelichteten Bilder sorgen für Strukturen in den Schattenbereichen.

Mit einer passenden Software, auch hier beispielsweise Adobe Lightroom, werden aus den verschiedenen Fotos die jeweiligen Bereiche mit vielen Einzelheiten zu einem neuen Bild zusammengefügt. Als Ausgangsmaterial für diese HDR-Version empfehle ich auch hier das RAW-Format. Derartige deckungsgleiche Einzelfotos werden nur erzielt, wenn man vom Stativ aus fotografiert.

Links HDR aus einer einzelnen RAW-Datei / rechts HDR aus drei verschieden belichteten RAW-Fotos führt zu noch mehr Details

Bei letzter HDR-Variante ist allerdings behutsam vorzugehen – man kann den Dynamikumfang nämlich auch zu weit spreizen und erhält dann einen künstlichen Look, wie er aus der Malerei bekannt ist. Potenzielle Kunden werden solche HDR-Bilder als realitätsfern abstrafen.

Mein Tipp an dieser Stelle: Den Außenbereich nicht exakt belichten, sondern ruhig etwas überbelichtet darstellen – das schafft ein angenehmeres lichtdurchflutetes Ambiente für das Immobilienmarketing.

HDR in der Praxis

HDR-Bilder können in der Immobilienfotografie so manche verfahrene Lichtsituation retten – insbesondere an Tagen mit grellem Sonnenschein. Sie liefern Fotos, die dem menschlichen Seheindruck entsprechen.

Für Immobilien-Profis, die ohnehin Wert auf gute Fotos legen, ist der Mehraufwand für die HDR-Technik nicht sehr groß. Mit dem richtigen Workflow und passenden Kameraeinstellungen werden die Bilder automatisch in Serie gemacht, und für den Software-Part ist in Adobe Lightroom nach genau drei Mausklicks das HDR fertig.

In meinen Workshops zu den Grundlagen der Immobilienfotografie und zur Basis-Bildbearbeitung für Immobilienfotos gehe ich auch auf diese fortgeschrittenen Techniken zur Erhöhung des Dynamikumfangs durch HDR ein.

 
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