Was ist der Goldene Schnitt in der Immobilienfotografie?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 23. Februar 2026 - in: Top 100

Was ist der Goldene Schnitt in der Immobilienfotografie?

Kennen Sie das? Sie betreten ein Haus, alles ist sauber, die Möbel sind schick, aber irgendwie wirken die Fotos im Exposé am Ende… nun ja, „flach“. Es fehlt dieser magische Funke, der Interessenten dazu bringt, sofort den Besichtigungstermin zu buchen. Oft liegt das nicht an der Kamera oder der fehlenden Auflösung, sondern an einer Formel, die schon die alten Griechen für ihre Tempel nutzten. Heute sprechen wir über den Goldenen Schnitt. Klingt nach trockenem Matheunterricht? Keine Sorge, wir lassen die komplizierten Formeln (fast) weg und schauen uns an, wie Sie dieses mächtige Werkzeug nutzen, um Ihre Immobilienbilder von „ganz nett“ zu „verkauft“ zu verwandeln.

Was steckt hinter dem Mythos?

Der Goldene Schnitt ist im Grunde ein Gestaltungsgesetz, das wir als Menschen instinktiv als besonders harmonisch und ästhetisch empfinden. Er beschreibt ein bestimmtes Teilungsverhältnis zweier Strecken. Mathematisch ausgedrückt sprechen wir von der Zahl Phi (Φ), die etwa 1,618 entspricht. Leichter verständlich wird es vielleicht, wenn man sich statt dieser abstrakten Zahl vorstellt, dass die kürzere Strecke 61,8 % so lang ist.

In der Fotografie teilen wir das Bild nicht einfach in der Mitte (50% – was meistens langweilig wirkt), sondern verschieben den Schwerpunkt leicht nach außen. Das Auge des Betrachters wird so auf eine Reise durch das Bild geschickt, anstatt an einer Zentralen „festzukleben“ – eben zu 61,8 %. Sie denken sich dazu also bei 61,8% der gesamten Außenkante eine Linie durch das Bild. Das geht von links und von rechts sowie von oben und von unten. Insgesamt erhalten Sie also vier gedachte Orientierungslinien.

Der kleine Bruder: Die Drittel-Regel

Vielleicht haben Sie schon von der Drittel-Regel gehört. Sie ist die vereinfachte Version des Goldenen Schnitts. Sie teilen die Außenkanten einfach durch drei und erhalten die Linien bei 33 und 66% Gesamtstrecke (was ja dicht bei 61,8 liegt) Während die Drittel-Regel das Bild in neun gleich große Rechtecke teilt, rückt der Goldene Schnitt die Linien etwas enger zur Mitte zusammen. Das wirkt oft noch einen Tick natürlicher und weniger konstruiert.

Warum der Goldene Schnitt für Makler eine kleine Revolution ist

Warum sollten Sie sich als vielbeschäftigter Makler mit Bildkomposition aufhalten? Ganz einfach: Aufmerksamkeit ist die Währung im Internet.

  • Harmonie statt Chaos: Immobilienfotos können durch viele Kanten (Türen, Fenster, Schränke) schnell unruhig wirken. Der Goldene Schnitt bringt Ordnung ins visuelle Durcheinander.
  • Fokus auf das Wesentliche: Möchten Sie den Kamin betonen oder den Blick aus dem Panoramafenster? Die richtige Platzierung lenkt den Blick des Kunden unterbewusst genau dorthin.
  • Wertigkeit: Fotos, die nach den Regeln der Kunst aufgebaut sind, wirken hochwertiger. Und eine hochwertige Präsentation rechtfertigt einen hochwertigen Preis.

Praxis-Check: So wenden Sie es in der Immobilie an

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Wie setzen Sie das Ganze nun beim nächsten Vor-Ort-Termin um? Hier sind drei konkrete Szenarien:

1. Das Wohnzimmer: Der Kamin als Anker

Stellen Sie sich vor, Sie fotografieren ein geräumiges Wohnzimmer mit einem schicken Kamin. Anstatt den Kamin genau in die Mitte des Bildes zu setzen, platzieren Sie ihn auf einer der vertikalen Linien des Goldenen Schnitts (etwa bei einem Drittel der Bildbreite). Die restlichen zwei Drittel des Bildes geben dem Raum „Luft“ zum Atmen und zeigen die Weite des Zimmers. Das wirkt einladend und großzügig.

2. Die Küche: Symmetrie mit dem gewissen Etwas

Kücheninseln sind fantastische Motive. Wenn Sie die Insel leicht versetzt fotografieren, sodass eine Kante genau auf einem der Schnittpunkte liegt, wirkt die Küche dynamischer. Der Betrachter hat das Gefühl, er könne direkt in die Szene hineinlaufen und sich einen Kaffee kochen.

3. Außenaufnahmen: Das Haus im Kontext

Bei Fassadenfotos neigen viele dazu, das Haus wie ein Passbild mittig zu platzieren. Langweilig! Setzen Sie das Gebäude lieber auf die linke oder rechte Goldene-Schnitt-Linie. Nutzen Sie das verbleibende Feld für einen gepflegten Garten oder einen blauen Himmel. Das vermittelt ein Gefühl von Nachbarschaft und Lebensqualität.

Werkzeuge, die Ihnen die Arbeit abnehmen

Benötigen kein Maßband, um den Goldenen Schnitt zu treffen. Moderne Technik hilft Ihnen dabei:

Im Kameradisplay: Fast jede DSLR, Systemkamera und sogar Ihr Smartphone lässt sich so einstellen, dass ein Gittermodell (Grid) im Sucher erscheint. Nutzen Sie das! Orientieren Sie sich an den Linien, wenn Sie das Stativ ausrichten.

In der Nachbearbeitung: Wenn es beim Shooting schnell gehen musste, retten Sie das Bild in Lightroom oder Photoshop. Wenn Sie das Freistellungswerkzeug (Crop-Tool) wählen, können Sie ein solches Raster als Overlay einstellen – auch zum Goldenen Schnitt.

Profi-Tipp für Sie

Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden – aber erst, wenn man sie beherrscht. Probieren Sie bei Ihrer nächsten Immobilie beide Varianten aus: Einmal klassisch mittig und einmal nach dem Goldenen Schnitt. Sie werden überrascht sein, wie viel „teurer“ das Bild wirkt, wenn das Verhältnis stimmt.

Haben Sie Schwierigkeiten, die richtige Balance in Ihren Fotos zu finden? Dann besuchen Sie denWorkshop „Grundlagen der Immobilienfotografie“ und erfahren praxisnah, wie Sie zu besseren selbstgemachten Immobilienfotos kommen.

 

 
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