Livehack: Harmonische Ausleuchtung wenn bei Immobilienfotos Sonne scheint

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 6. November 2020 - in: Ausrüstung | Tutorials

Ich nehme zum Fotografieren von Immobilien einen Duschvorhang mit. Sie runzeln jetzt die Stirn? Einem Makler ging es ebenso, als er heute Mittag in meinen Fotokoffer blickte. Wozu braucht man beim Fotografieren Duschvorhänge? Ist etwa eine Abkühlung gefällig? Wenn beim Anfertigen von Immobilienfotos Sonne scheint, kann dieser Helfer sinnvoll sein.

Keine Details im Foto von Immobilien bei Sonne

In meinen Workshops zur Immobilienfotografie geht es an einem Punkt immer um die Bildkritik. Ich zeige Aufnahmen mit Fehlern. Jeder soll selbst herausfinden, wie viele und welche Fehler die Fotos aufweisen (schiefe Linien, falsche Höhe der Kamera, falscher Bildwinkel, falsche Belichtung etc.). Auf einem Beispielfoto strahlt die Sonne durch die schmutzigen Fenster eines leeren Altbauzimmers und wirft ihren grellen Schein auf das Parkett. Sobald ich diese Sonnenflecken als Bildfehler bezeichne, gibt es immer den Einwand, dass man doch zeigen müsse, wie sonnig diese Wohnung gelegen sei. Dass dabei großflächig alle Details auf dem schönen Parkett in einem riesigen strahlend weißen Fleck verschwinden, scheint zweitrangig zu sein.

Man könnte jetzt rational böse gegenargumentieren, dass viele Bewohner eine Wohnung meist dann nutzen, wenn gerade keine Sonne scheint und deshalb der Sonnenfleck keine Bedeutung habe. Aber natürlich wollen wir ja schöne und einladende Aufnahmen machen. Die Motive sollen eine harmonische Ruhe ausstrahlen und das Objekt begehrenswert machen. Und dabei stören diese Sonnenflecken auf Fußboden und Einrichtung erheblich. Sie sorgen für eine unangemessene Unruhe und überstrahlen Details, deren Verheimlichung wiederum am gerade aufgebauten Vertrauen nagt. Allein mit fotografischen Mitteln bekommt man sie häufig nicht in den Griff, denn die Kameratechnik kann derart starke Helligkeitsgegensätze oft nicht in einem Bild darstellen.

Wie kann man also den Spagat schaffen und beides zeigen: eine helle, sonnige Wohnsituation und gleichzeitig ein Motiv das eine schöne Wohnruhe ausstrahlt? Hier kommt der Duschvorhang ins Spiel.

Diffuses Licht durch Duschvorhang

Man kann sich den Zeitpunkt des Fotoshoots häufig nicht aussuchen. Um die Mittagszeit fällt an einem sonnenreichen Tag das hässlichste Licht überhaupt vom Himmel. Für die Fotografie ist es deshalb ungeeignet, weil es viel zu harsch ist. Die Kontraste zum unbeleuchteten Innenraum sind extrem und außerdem hat es eine abstoßend kaltblaue Farbe. Auge und Hirn des Menschen können damit umgehen und die unschönen Details wegfiltern. Eine Kamera kann das nicht. Sie ist unbestechlich, hat nur einen begrenzten Helligkeitspielraum und kann auch nur eine Lichtfarbe gleichzeitig darstellen.

Man könnte jetzt dieses schlechte Licht aussperren und die Fenster mit den vorhandenen Vorhängen, Läden oder Jalousien verdunkeln. Doch ohne Licht fotografiert es sich schlecht.

Also kippe ich das Fenster an, klemme meinen Duschvorhang ein und lasse den Polyesterstoff einfach vor dem Fenster fallen. Sofort verwandelt sich der grelle Sonnenschein in ein wunderbar diffuses Raumlicht und sorgt auf dem Foto für eine sehr harmonische Ausleuchtung. Natürlich kann die so erstellte große Fensterlichtfläche nicht mit ins Bild. Man fotografiert also mit dem derart beschirmten Fenster an der Seite oder im Rücken. Deshalb muss man die Raumgeometrie nutzen, um ein schönes Motiv zu erzielen und dabei hin und wieder etwas Kreativität an den Tag legen, um eine geeignete Kameraposition zu finden.

Warme Lichtfarbe sorgt für Behaglichkeit

Jetzt habe ich ein tolles Sonnensegel, dass mir wunderbar gleichmäßig weiches gedämpftes Licht in den Raum fließen lässt und ideal zum Fotografieren ist. Den einladenden Charakter erreichen wir, indem das Bild einen ganz leicht wärmeren Charakter erhält. Wenn mir die Lichtfarbe also noch immer zu kühl ist, tausche ich den weißen Vorhang testweise einfach mal  gegen einen sandfarbenen aus. Manchmal reicht es auch, dem Foto im Nachhinein oder schon bei der Aufnahme über den Weißabgleich etwas mehr Wärme zu geben.

Es gibt diese so genannten Scrims auch im Fotofachhandel mit Stativ, Rahmen, in verschiedenen Größen und Lichtdurchlässigkeiten. Doch meine Duschvorhänge sind weitaus mobiler, platzsparender, einfacher in Betrieb zu nehmen und kosten nur einen winzigen Bruchteil.

Außerdem leistet ein glattes weißes Polyestertuch beim Fotografieren auch andere wertvolle Dienste. Als Hintergrund, Untergrund, Abdeckung oder gar temporäre Verpackung habe ich es schon eingesetzt – nur eben nicht zum Duschen.

Für mich ist das letztlich ein kleiner finanzieller und praktikabler Aufwand mit großer Wirkung.

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