In meinen Immobilienfoto-Workshops wirft beim Thema Bildbearbeitung irgendein Teilnehmer immer die Frage auf, wie man denn schnell den Himmel austauschen könne. Schließlich würden sich Objekte, die bei strahlendem Wetter dargestellt werden, besser verkaufen. Das ist durchaus verständlich, zumal wir Wärme und Licht als angenehmen Lebensumstand empfinden und deshalb auch ein neues Wohnumfeld oder eine neue Investition bei Sonnenschein schöner aussieht.
Update: Dieser Artikel, ursprünglich vom 12. April 2018, hat jetzt ein Update erhalten, da das Himmel Austauschen mit Hilfe von KI und Photoshop einfacher geworden ist.
Photoshop hilft perfekt
Solch ein Vorhaben umzusetzen, war früher nicht so einfach. Im Fach-Jargon nennt man diese Verknüpfung verschiedener Bildelemente „Compositing“ (englisch für Zusammensetzen, Mischen, Integrieren). Zum Himmel Austauschen mussten Sie beispielsweise drei Werkzeuge im Photoshop kennen (Ebenen, Ebenen-Stil-Farbbereich, Maske), damit diese Prozedur auch schnell vonstatten ging. Viele Immobilien-Profis meinten auch, dass ihre Bestandssoftware das auf Knopfdruck könne. Aaaaber …
… für ein fotorealistisches Ergebnis waren jedoch spezielle Compositing-Techniken gefragt. Leider musste ich meinen Workshop-Schülern deshalb den Glauben nehmen, dass eine wirklichkeitsnahe Umstellung von trübem auf sonniges Fotowetter „einfach so“ zu bewerkstelligen sei. Allein mit dem Himmel Austauschen war es nämlich nicht getan.
Inzwischen hat Photoshop nachgelegt und ist in der Lage über wenige Menübefehle den alten Himmel ziemlich realistisch zu erkennen und zu maskieren und gleichzeitig durch einen Wunschhimmel zu ersetzen. Für ein realistisches Resultat muss aber dennoch etwas an den Reglern gezupft oder die Bilder-KI bemüht werden.
Himmel austauschen: Fehlerquellen für schlechte Ergebnisse
Wenn bestimmte Parameter der zu kombinierenden Elemente nicht zu einander passen, kommt kein Fotorealismus zustande. Dann ergibt sich allenfalls eine mittelprächtige Collage. Der Betrachter mag das im ersten Moment vielleicht nicht genau deuten können, merkt aber, dass irgendetwas am Bild nicht stimmt. Er fühlt sich beim längeren Betrachten des Bildes unwohl. Und diese Unsicherheit beim allerersten Kontakt sollte meiner Meinung nach auf jeden Fall vermieden werden, denn darunter leidet womöglich das Vertrauen in eine professionelle Dienstleistung von Anfang an.
Deshalb möchte ich hier zeigen, worauf Sie beim fotorealistischen Austausch des Himmels achten müssen. Wenn Sie die folgenden Fehlerquellen kennen, können Sie manchen Fallstrick vermeiden.
1. Das richtige Bildmaterial für Himmel und Vordergrund
Zunächst müssen die einzelnen Elemente technisch zu einander passen. Das heißt, der zu integrierende Himmel sollte im besten Fall in der gleichen Himmelsrichtung aufgenommen sein, wie die Immobilie. Auch die Tageszeit, die Jahreszeit und der Breitengrad spielen eine Rolle. Im Winter steht die Mittagssonne tiefer und wirft anderes Licht als im Sommer, morgens und abends gibt es Licht aus anderer Höhe und mit anderer Farbe als zur Mittagszeit. Und ein Alpenhimmel hat immer eine andere Lichtstimmung als das Firmament auf Sylt.
Am besten ist es, wenn Sie sich eine kleine Datenbank mit verschiedenen schönen Himmeln anlegen und dabei strikt systematisch vorgehen.
Schritt 1
Zunächst sollten die Blickwinkel der Aufnahmen zu einander passen. Dazu gehen Sie am besten mitten auf ein freies Feld, einen Golfplatz oder eine Bergkuppe mit unverbautem Blick zum Horizont und fotografieren den Himmel inklusive der Horizontlinie im unteren Bildbereich. Drehen Sie sich um Ihre eigene Achse und machen in 45°-Schritten je ein Foto in Richtung Nord, Nordost, Ost, Südost, Süd, Südwest, West und Nordwest.
Anschließend haben Sie 8 Bilddateien.
Diese können Sie mit der jeweiligen Himmelsrichtung – „n“, „no“, „o“ etc. – benennen.
Schritt 2
Auch verschiedene Tageszeiten sollten berücksichtigt werden, da die Sonne unterschiedlich hoch steht, dabei Wolken unterschiedlich beleuchtet und verschiedene Lichtfarben erzeugt. Fotografieren Sie also die Szene aus Schritt 1 alle zwei Stunden bei ausreichendem Tageslicht, beispielsweise um 10, 12, 14, 16, 18 Uhr. In den Wintermonaten können Sie sich sich den 18-Uhr-Termin sparen.
Damit wären wir bei 32 beziehungsweise 40 Aufnahmen.
Da Sie nie genau zur gleichen Uhrzeit fotografieren werden, geben Sie im Dateinamen Zeitperioden an: für den 10-Uhr-Himmel „9-11“, für den 12-Uhr-Himmel „11-13“ etc..
Schritt 3
Das Ganze wiederholen Sie einmal in jedem zweiten Monat. Da sich die Sonnenstände im Frühjahr und im Herbst wiederholen, brauchen Sie jedoch lediglich vier Termine, beispielsweise Dezember, Februar, April, Juni.
Sie haben jetzt 144 verschiedene heimische Wolkenbilder (Ganz schön viele – oder? Angenehmer Nebeneffekt: Nicht jede Ihrer Immobilienaufnahmen muss mit dem gleichen Himmel versehen werden).
Auch hier können Sie für die Aufnahmen Zeitspannen im Dateinamen angeben. Am besten legen Sie den Fototermin auf die Monatsmitte. Dann gilt der Zeitraum von der Mitte des Vormonats bis zur Mitte des Folgemonats. Für das Frühjahr und den Herbst können Sie gleich zwei Perioden in einer Himmelsdatei zusammenfassen. Die Dezemberfotos erhalten demzufolge „novjan“, die Februarbilder heißen „janmar-sepnov“, die Aprilaufnahmen bekommen „marmai-julsep“ und die Junifotos heißen „maijul“.

Austausch-Himmel aus der Datenbank, Dateiname: „himmel-janmar-sepnov-11-13-so.jpg“
Freies Feld mit sichtbarer Horizontlinie, aufgenommen 15.02.2026, 12:02 Uhr, Richtung Südost
Der untere Teil ist irrelevant, denn er wird von der Immobilie und deren Umfeld überdeckt.
Jetzt müssen Sie nur noch Himmelsrichtung (mit GoogleMaps einfach zu ermitteln), Datum und Uhrzeit (sind in der Bilddatei gespeichert) Ihrer zu korrigierenden Immobilienaufnahme kennen, und schon lässt sich ein fotorealistischer Himmel zuordnen und benutzen. Wichtig ist jetzt, bei der Überlagerung beider Aufnahmen die Horizontlinie möglichst genau zu treffen.
Tipp: Bei der zu verwendenden Brennweite müssen Sie etwas schummeln. Ideal wäre natürlich ein Bildwinkel, welcher der Aufnahmebrennweite des Immobilienfotos entspricht. Extreme Brennweiten sind jedoch soweit gespannt, dass sie vom Himmel einen Farbverlauf von sehr hellem zu einem kräftigen Blau abbilden. Das sieht im Compositing unnatürlich aus. Deshalb empfehle ich zwar, im Weitwinkelbereich zu bleiben, aber bei mindestens 30 mm (Vollformat) zu agieren. Dieser Wert entspricht rund 20 mm beim DX-/APS-C-Format.
2. Die passende Lichtfarbe zur jeweiligen Tages- und Jahreszeit
Die meisten Collagen von Maklern leiden unter falschen Farben. Wenn die Sonne scheint, werden bestimmte Farben intensiver, abhängig vom Sonnenstand, also der Tages- und Jahreszeit. Um die Lichtfarbe des Immobilienfotos und der Himmelsaufnahme anzupassen, gibt es einen kleinen Trick.
- Fotografieren Sie für Ihre Himmelsdatenbank gleich immer eine weiß-graue Referenzfläche mit. Das kann beispielsweise ein weißes Blatt Papier sein, das im Vordergrund auf dem Boden liegt. Dieses Blatt erscheint später nicht im Compositing, da wir ja nur den Himmel benötigen.
- Vor dem Zusammenfügen ermitteln Sie auf dieser weiß-grauen Fläche die korrekten Neutralwerte für die Farbtemperatur und die Tonung und korrigieren gleichzeitig das Himmelsbild auf diese neutrale Lichtstimmung. Das geht in vielen Bildbearbeitungsprogrammen über den Weißabgleich per Mausklick.
- Jetzt wenden Sie diese Werte manuell auf Ihr Ursprungs-Immobilienfoto an. Somit haben beide Fotos die gleiche Farbtönung. Das Immobilienbild mag jetzt farbverfälscht aussehen, die Korrektur in den richtigen Farbton, also den finalen Weißabgleich, nehmen Sie später vor, nachdem beide Fotos zusammengesetzt wurden.
Sie werden überrascht sein, wie viel realistischer der Himmel dadurch wirkt.
3. Helligkeit und Sättigung des Basisbildes verändern
Das Immobilienbild am trüben Tag ist von Natur aus immer etwas flau. Sie können die Kontraste anheben und es etwas freundlicher aussehen lassen, auch ein verbesserter Schwarz- und Weißpunkt verhelfen dem Bild zu mehr Knackigkeit.
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oben: Originalaufnahme, so wie sie aus der Kamera kam.
unten: Kontraste angehoben, Schwarz- und Weißpunkt gesetzt – Bild ist deutlich knackiger.
4. Himmel passend zum Foto einstellen
Der fotografierte Himmel hat jedoch oft ein vergleichsweise dunkles und kräftiges Blau als Hintergrund. Hier bietet es sich an, nach Augenmaß seine Helligkeit anzuheben, die Blausättigung herunterzufahren und die Farbtemperatur wärmer einzustellen, so dass sie zur Bildstimmung der ursprünglich flauen Immobilienaufnahme passen.
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oben: Blauer Originalhimmel montiert – sehr unnatürlicher Look.
unten: Weniger Sättigung, mehr Helligkeit im Himmelsblau und etwas wärmere Farbe – das sieht schon etwas realistischer aus.
Tipp: Wenn Sie Himmelsaufnahmen anfertigen, fotografieren Sie keinen wolkenlosen blitzeblauen Himmel. Während er in natura sehr beeindruckend sein kann, macht er Fotos schnell langweilig. Dekorative weiße (keine grauen) Fotowolken, am besten Schäfchenwolken (Cumulus) oder kräftige Federwolken (Cirrus) mit klaren Kanten zum Himmelsblau geben dem Himmel ausreichend Tiefe und machen das Bilderlebnis sehr angenehm.
5. Schatten und Reflexionen können nur mit besonderem Aufwand korrigiert werden
Wenn gerichtetes Licht, wie beispielsweise Sonnenschein, eine Szene beleuchtet, gibt es harte Schatten. Jedes einzelne Objekt wirft diese Schatten – der Dachkasten, die Balkon- oder Terrassenmöbel, einzelne Pflanzen und Blätter, die Fensternischen, der Zaun etc.
Wenn Sie die Original-Szene jedoch an einem trüben Tag fotografiert haben, sind diese Schatten sehr verschwommen und weich, da ein bedeckter Himmel immer ein sehr diffuses Streulicht aussendet.
Gleiches gilt für Reflexionen auf glänzenden Flächen wie beispielsweise von Fensterglas, Edelstahlbauteilen, lackierten Oberflächen und der Wasseroberfläche von Pools und Gartenteichen. Diese wären bei gerichtetem Licht viel stärker und detaillierter als bei diffusem grauem Himmel. Außerdem muss im Fotoergebnis beim Himmel Austauschen neben der Reflexion der Umgebung auch die Spiegelung des Himmelsblau berücksichtigt sein.
Die fehlende Sonne mit Kunstlicht zu ersetzen, ist keine Option. Der kleine Kamerablitz oder der große Aufsteckblitz und selbst die normale Studioblitzanlage haben nicht genug Leistung, um das Sonnenlicht für eine ganze Hausfassade zu simulieren. Auch hier müssen Richtung und Höhe der Lichtquelle wieder dem aktuellen Sonnenstand entsprechen. Sie bräuchten eine Ausleuchtung wie an einem Spielfilm-Set.
Die Korrekturen von Schatten und Reflexionen in der Bildbearbeitung fotorealistisch manuell vorzunehmen, erfordert einen enormen oft mehrstündigen Aufwand, den ein Immobilienfoto nur sehr selten rechtfertigt. Konzeptionelle KI kann hier helfen.
Jetzt müssen Sie entscheiden
Am besten ist es natürlich, wenn Sie gleich bei passendem Wetter fotografieren. Das ist in unseren Breitengraden jedoch nicht immer möglich.
Eine Retusche beim Himmel Austauschen möchte gekonnt ausgeführt sein und erfordert mitunter etwas Aufwand. Alles unterhalb dieses Qualitätsanspruchs würde ich nie veröffentlichen, denn schließlich gilt der Grundsatz „Immobilienfotos sind Werbeaufnahmen“. Und das bezieht sich nicht nur auf den Verkauf eines Objektes sondern vielmehr auf die Eigenwerbung des jeweiligen Immobilienprofis. Denn der erste Eindruck zählt. Dabei kann ein Foto entscheidend helfen oder auch stören. Ein mittelmäßiger oder gar schlechter Einstand ist meist nicht mehr auszubügeln.
Eine mittelprächtige Bildkorrektur, gepaart mit der Aussage „Für meine Zwecke reicht das“, ist deshalb nicht akzeptabel.
