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Kann ich mit meinem neuen Smartphone gute Immobilienfotos machen?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 27. September 2016 - in: Ausrüstung | Fragen und Antworten

Kann ich mit meinem Smartphone Immobilien fotografieren?Erst kürzlich stieg ich vom meinem alten iPhone 4 aus dem Jahr 2011 auf ein neues Modell aus dem Apfelkonzern um, weil mir das olle Eisen nach über 5 Jahren einfach zu langsam wurde. Zum Fotografieren hatte ich es nie wirklich im Einsatz, aber der Vergleich der Bildqualitäten der Fotos aus beiden Smartphone-Kameras hat mich glatt umgehauen. Schärfe und Brillanz sind enorm besser geworden, auch im Dunkeln machen die Aufnahmen – zumindest auf dem Smartphone-Display – eine ganz gute Figur. Es entstehen tolle Schnappschüsse. Ich bin begeistert.

Dennoch reicht es nicht für die Immobilienfotografie. Weshalb das so ist, habe ich bereits vor drei Jahren in einem Artikel beschrieben. Dessen Wortlaut finden Sie weiter unten. Hier oben lesen Sie quasi gerade ein Update.

Zu viele Pixel auf zu kleinem Raum

An den technischen Zusammenhängen hat sich nichts Wesentliches geändert. Die deutlich bessere Bildverarbeitung in beiden Systemen sorgt aber nach der eigentlichen Aufnahme für durchweg brillantere Bilder. Allerdings gibt es beim Smartphone aufgrund der kleineren und somit dichter liegenden Pixel nach wie vor Nachteile beim Bildrauschen und bei der ausgewogenen Belichtung von ganz hellen und ganz dunklen Bildbereichen im gleichen Foto, wie sie in Immobilienfotos häufig auftreten.

Ziemlich selbsterklärender Vergleich der Sensorgrößen und der daraus resultierender Pixeldichten und Pixelgrößen:

Klein, leicht und wacklig

Naturgemäß ist es schwierig, ein leichtes Smartphone freihändig genau waagerecht und senkrecht auszurichten. Um ein gutes Immobilienfoto ohne stürzende Linien zu erzeugen, ist die passende Aufnahmehöhe für die freihändige Fotografie einfach zu unbequem. Das Smartphone ist außerdem zu klein und hat zu wenig Gewicht, um seine Position genau auszutarieren. Man muss sich also verschiedener Helfer bedienen (beispielsweise Stativ mit Smartphone-HalterungManfrotto Pixi), um hier zuverlässig zu arbeiten. Das wäre ohnehin erforderlich, wenn die Bilder vor Verwacklung geschützt werden sollen.

Smartphone-Brennweite keineswegs ideal

Der feste Bildwinkel beim iPhone entspricht rund 29 mm Brennweite einer Vollformatkamera. Auch bei anderen Top-Smartphones von SamsungSamsung Galaxy S7 Edge, HTCHTC 10, LGLG G5 oder SonySony Xperia Z5 liegt er im Bereich von 25 bis 33 mm. Das ist für die Schnappschussfotografie ein schöner Mittelwert. Für die Porträtfotografie ist dieser Wert hingegen zu gering (deshalb sehen viele Selfies verzerrt aus, als kämen sie aus dem Monsterkabinett). Immobilien hingegen benötigen mehr Weitwinkel, also noch geringere Brennweiten, da die allermeisten Räume zu klein sind, um sie ganzheitlich zu erfassen. Meine Bilddatenbank spuckt gerade aus, dass 65 Prozent meiner Immobilienfotos mit Brennweiten von 24 mm und kleiner entstehen. Auch hier kann man für Smartphone-Aufnahmen mit externen Helfern arbeiten. Aufsätze wie beispielsweise der bekannte OlloclipOlloclip mit Weitwinkel, Fischauge, Macro ermöglichen mehr Weitwinkel, verzerren das Bild aber unschön.

Kürzlich meinte einer meiner Workshop-Teilnehmer, dass man dieses Manko doch auch durch die geniale Panorama-Funktion der Smartphonekamera ausgleichen könne. Hier entsteht jedoch das Problem, dass die horizontalen Kanten an Baukörper und Einrichtung unweigerlich gebogen werden, was in einem noch unnatürlicheren Look mündet.

Vergleich Smartphone-DSLR Out Of Cam (OOC)

Vergleich zwischen Smartphone-Aufnahme (links) und DSLR-Aufnahme (rechts) direkt aus der Kamera. Der Brennweitenunterschied wird deutlich.

Vergleich Smartphone-DSLR nach Edit

Vergleich zwischen Smartphone-Aufnahme (links) und DSLR-Aufnahme (rechts) nach der Bildbearbeitung. Die überlegene Belichtungsleistung des größeren Sensors wird deutlich. Rechts sind deutlich mehr Details in den hellsten und dunkelsten Bildteilen zu erkennen. Qualitätsunterschiede im Detail weiter unten im nächsten Bild.

HDR-Funktion reicht nicht

Nach wie vor ist das Smartphone der Bild-Dynamik einer richtigen Kamera unterlegen. Was das bedeutet? Ein großer Kamerasensor kann Details in den dunkelsten und hellsten Bildpartien viel besser im gleichen Bild darstellen, während bei einem Smartphone dieser Bereich wesentlich kleiner ist. Es gibt zwar die bekannte HDR-Automatik, die im Alltag sehr gut funktioniert. Doch sind bei der Immobilienfotografie die Helligkeitsunterschiede zwischen eindringendem Fensterlicht und Schattenbereichen neben Möbeln so groß, dass das Smartphone unweigerlich kaptitulieren muss. Auch hier hat das Smartphone deutlich aufgeholt, doch auch die große Digitaltechnik hat riesige Fortschritte gemacht. Selbst der Profi macht an dieser Stelle übrigens mit seiner Qualitätskamera mehrere manuelle Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen und montiert diese anschließend am Computer zu einem HDR-Bild.

Kamerablitz bleibt nutzlos

Außerdem ist eine digitale Spiegelreflexkamera noch immer überlegen, wenn es um den Anschluss und die Fernsteuerung externer Lichtquellen (Blitzlicht, – anlage) geht. Smartphones haben inzwischen farbbalancierte grelle Taschenlampen LEDs, die Nahszenen aufhellen, für einen ganzen Raum funktioniert das allerdings nicht.

Smartphone-JPG zu glattgebügelt

Die Bildqualität eines komprimierten Smartphone-Fotos ist darüber hinaus nicht vergleichbar mit dem Rohbild aus der Spiegelreflexkamera. Durch die Kompression gehen Details verloren, was auf dem Smartphone-Monitor oder kleiner Darstellung im Internet womöglich nicht auffällt. Aber insbesondere bei nachträglicher Bearbeitung und Vergrößerung tritt der Unterschied dieser glattgebügelten Bildpassagen deutlich zutage.

Vergleich Smartphone-Kamera und Spiegelreflexkamera

In der 1:1-Vergrößerung (100%, 1 Bildpixel entspricht 1 Bildschirmpixel) sieht man den Qualitätsunterschied deutlich. (Wenn Sie diese Seite auf einem kleinen Bildschirm betrachten, bitte auf das Bild klicken)

Winzige billige Objektive führen zu Bildfehlern

Außerdem beobachtet man an Smartphone-Fotos beim genaueren Hinsehen Bildfehler, die vom Objektiv herrühren. Objektive an Smartphones sind nur wenige Millimeter groß (und tief). Dass diese das einfallende Licht weniger gut verarbeiten als große Objektive an einer Spiegelreflexkamera mit mehreren Zentimetern Durchmesser und Länge, erscheint einleuchtend. So fallen Smartphone-Aufnahmen negativ durch unerwartete Farbsäume an Kontrastkanten (so genannte chromatische Abberationen), starke Verzeichnungen an den Bildrändern sowie verschlechterte Schärfe und Brillanz in den Ecken auf. Diese Bildfehler gibt es auch bei einfachen Objektiven (so genannte Kit-Objektive) bei großen Kameras. Diese sind aber für die Immobilienfotografie aufgrund der mangelnden Brennweite sowieso kaum geeignet. Deshalb lautet meine Empfehlung: Spiegelreflex-Kamera ohne Anfänger-Objektiv kaufen und gleich in ein vernünftiges Glas investieren.

Viele dieser Fehler lassen sich im Nachhinein durch die Kameraautomatik oder in der Bildbearbeitung mildern. Für jede Korrektur opfert man aber immer etwas allgemeine Bildqualität, -größe und Arbeitszeit. Deshalb am besten gleich richtig fotografieren und die nachträgliche Fehlerbeseitigung auf ein Minimum beschränken.

Vielleicht noch ein selbsterklärendes Argument: Aktuell werden im Internet Preise für das Kameramodul eines iPhone 6s von rund 40 Euro aufgerufen. Allein ein einfaches leistungsorientiertes Immofoto-Objektiv für eine Spiegelreflexkamera beginnt bei etwa dem 10fachen. (Der Profi legt hingegen auch schon mal deutlich vierstellige Euros für eine gute Linse hin.)

Jetzt wieder tief durchatmen. Ausnahmslos alle Immobilienprofis, die im Rahmen meiner Workshops der Ausrüstungsempfehlung gefolgt sind, haben bestätigt, dass sich jeder investierte Euro gelohnt hat.

Fazit

Smartphone-Kameras werden immer besser, digitale Fotokameras jedoch auch. Es gibt nach wie vor Einschränkungen, die iPhone & Co. für die Immobilienfotografie nutzlos machen. Man kann sie zwar über Umwege und zusätzliche Ausrüstung umgehen, erreicht aber nie die Qualität von Immobilienfotos aus einer Spiegelreflexkamera und ist womöglich mit mehr Gepäck unterwegs (dann kann man auch gleich eine vernünftige Kameraausrüstung kaufen). Insofern lautet die Antwort auf die Frage im Titel dieses Beitrags: Nein.

Verschiedene Smartphone-Anbieter haben verschieden leistungsfähige Kameramodule verbaut. Insofern ist die Erfahrung mit meinem neuen iPhone (dessen Kamera einen recht ordentlichen Ruf genießt) subjektiv. Ob irgendein Smartphone aktueller Bauart jemals für Immobilienfotos geeignet sein wird, kann ich nicht beantworten. Fest steht aber: Technologie und Bildqualitäten werden sich kontinuierlich verbessern.

Vielleicht warte ich jetzt wieder 5 Jahre auf ein neues Smartphone … 😉

 


Ursprünglicher Beitrag vom 4. August 2013

Das kommt darauf an. Smartphones mit Kameras sind so konstruiert, dass sie bei unterschiedlichsten Aufnahmebedingungen passable Ergebnisse liefern. Sie sind leicht, klein, funktionieren vollautomatisch. Diese Eigenschaften machen Smartphonekameras zum idealen Begleiter in fast jeder Situation. Für Schnappschüsse und Urlaubsfotos sind sie geeignet. Und bei Bedarf lassen sich die Aufnahmen auch gleich am Smartphone-Bildschirm bearbeiten, teilen und versenden.

Für spezielle Anwendungen hingegen muss man immer Konzessionen an bestimmte Eigenschaften dieser Allround-Kameras machen. Immobilienfotografie ist eine solche Spezialdisziplin. Sie erfordert neben fotografischem Knowhow auch eine ausgewählte und leistungsfähige Ausrüstung. Grund dafür sind die speziellen Aufnahmebedingungen, insbesondere die schwankende Lichtqualität in den Motiven.

Bessere Technik in DSLR

Pixelgrößen im Vergleich

Der Smartphone-Sensor hat zwar weniger Pixel, doch sind sie auch kleiner, liegen enger bei einander und können sich deshalb leichter gegenseitig beeinflussen, was sich negativ auf die Bildqualität auswirkt.

Hier ein Beispiel für die technische Überlegenheit einer DSLR: Der Sensor eines aktuellen iPhone (4,54 x 3,42 mm) ist rund 55 mal kleiner als der einer hochwertigen Digitalkamera mit Vollformatsensor (36 x 24 mm). Die daraus resultierende Pixeldichte beim iPhone mit 8 Megapixeln liegt bei rund 500.000 Pixel/mm² während bei der DSLR mit 24 Megapixeln dieser Wert nur etwa 30.000 Pixel/mm² beträgt. Je dichter die Pixel bei einander liegen, um so schlechter ist das Bildergebnis, zum Beispiel weil sich die Pixel auf derart  engem Raum gegenseitig elektrisch beeinflussen. Insbesondere bei der Auflösung feinster Details mit wenig Kontrast, wie sie bei der Immobilienfotografie in praktisch jedem Foto in Schattenbereichen vorkommen, wirkt sich der Nachteil der Smartphonekonstruktion aus. Dieser lässt sich auch durch nachträgliche Bildbearbeitung nicht wirksam reparieren.

Die praktikablen Gründe

  • Die genaue Einrichtung der Aufnahmeposition auf einem Stativ ist beim Smartphone schwierig.
  • Es gibt nur genau eine Brennweite (abgesehen vom digitalen Zoom, der die Bildqualität verschlechtert).
  • Die separate Einstellung von Aufnahmewerten, insbesondere für die Schärfentiefe und den Belichtungsausgleich ist bei der Vollautomatik des Smartphones nicht möglich.
  • Der Anschluss externer Blitzlichter ist beim Smartphone ausgeschlossen (über die eingebauten Lampen reden wir hier überhaupt nicht).

Berechtigung für das Smartphone

In der Immobilienfotografie haben Smartphonekameras dennoch einen Platz. Hier zwei Beispiele.

  1. Bei strahlendem Sonnenschein entstehen mit dem Smartphone durchaus passable Außenaufnahmen.
  2. Ich nutze das Smartphone beispielsweise bei der Begehung größerer Objekte, um schnell und unkompliziert zu erfassen, welche Einstellungen und Motive in Frage kommen. Der Anspruch an diese Aufnahmen ist nicht hoch. Sie bilden meine Shotlist, die ich anschließend mit der Profitechnik abarbeiten. So vergesse ich keinen wichtigen Blickwinkel. Diese Aufnahmen bekommt eigentlich niemand zu sehen. Ich mache eine Ausnahme und zeige hier mal eine beliebige Auswahl aus meinem „grafischen Notizblock“:
    iPhone-Shots aus der Hüfte dienen als Merkliste für die späteren Motive

    iPhone-Shots aus der Hüfte dienen als Merkliste für die späteren Motive

    Zum Vergleich die Endergebnisse aus der Spiegelreflexkamera:

    Die gleichen Motive, mit Spiegelreflexkamera und Stativ fotografiert.

    Die gleichen Motive, mit Spiegelreflexkamera und Stativ fotografiert.

 
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