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Geld sparen bei Fotoausrüstung für Immobilienbilder

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 16. Januar 2019 - in: Ausrüstung

Lesezeit: 5 Minuten

Pünktlich zum Jahresanfang haben die internationalen Social-Media-Stars unter den Fotografen ihre Prognosen über die Neuheiten dieses Jahres abgegeben. Manchmal fragt man sich, wer eigentlich ihre Zuschauer sind. Da wird nur selten darüber öffentlich nachgedacht, dass die fotografiebegeisterte Folgschaft mehrere Tausend Euro oder Dollar locker machen müsste, um auf der Neuheitenwelle mitschwimmen zu können. Ob das für exzellente Immobilienfotos überhaupt erforderlich ist oder ob man Geld sparen kann, beantwortet dieser Beitrag.

Neue Kameramodelle – vor allem im gehobenen Sektor

Die Voraussagen gründen sich häufig auf die einschlägigen Gerüchte-Websites (nikonrumors.com, canonrumors.com, sonyalpharumors.com, fujirumors.com, 43rumors.com) der Kameramarken, die erstaunlicherweise meist recht genau zutreffende Einschätzungen abgeben. Die folgenden Preisvermutungen erfolgen zwar in US-Dollars. Der Wert entspricht häufig dem deutschen Euro-Netto-Listenpreis, bei denen hier Mehrwertsteuer und Marketingpreisrundung hinzugefügt wurden. Produktlinks führen zu Produktinformationen auf amazon.de.

  • Die Gerüchteküche sieht neue Spiegelreflexkameras im Semi-Profi-Sektor als längst überfällige Nachfolgerinnen wie beispielsweise die Canon 7D III oder Nikon D760 (beide 1.999 USD / 2.399 EUR).
  • Im APS-C-Sektor (Kameras mit kleinerem Sensor) soll Sony angeblich eine Nachfolgerin der αXXXX-Serie vorbereitet haben – möglicherweise eine Sony α7000 (1.499 USD / 1.799 EUR).
  • Im Bereich der spiegellosen Vollformat Systemkameras erwartet die Branche weitere Neuheiten, nachdem im vergangenen Jahr auch Canon und Nikon auf diesen Zug aufgesprungen waren. Bei Canon könnten das professionellere Varianten der EOS R sein: Canon EOS Rx und Rs (3.499-3.999 USD / 4.149-4.799 EUR). Sony könnte seiner alten Regel folgen und auch die aktuelle α-7-Serie durch ein lowlight- und videoorientiertes Modell α7S III (2.499 USD / 2.999 EUR) ergänzen. Außerdem wird ein Upgrade des aktuellen Flaggschiffs erwartet – die Sony α9 II (4.499 USD / 5.349 EUR).
  • Und dann wird noch über eine Nachfolgerin der Mittelformatkamera von Fujifilm spekuliert – eine GFX 100s (7.999 USD / 9.499 EUR).

Updates: Welche Ankündigungen wurden wahr?

Statt einer höher angesiedelten Kamera der bestehenden α6XXX-Reihe, präsentiert Sony im Januar eine α6400 (849 USD / 1.049 EUR). Das ist eine spannende Kamera, die sich zwischen den Altmodellen α6300 (März 2016) und α6500 (Dezember 2016) einnistet, aber einige technische Lösungen der großen Sonys eingebaut hat.
Prädikat: Interessant für die Immobilienfotografie.

Statt der professionellen EOS R macht Canon im Februar einen Schritt zurück und bringt eine EOS RP auf den Markt. Diese spiegellose Kamera ist preiswerter, eine abgespeckte Version der EOS R. Mit Adapter für alte Canon-Spiegelreflex-Objektive (EF) für 1.499 EUR zur Markteinführung.
Prädikat: Interessant für die Immobilienfotografie, wenn die Canon Spiegelreflexkamera älter als 4 Jahre ist.

 

Tolle Objektive mit exzellenten Abbildungseigenschaften

Bei den Objektiven wird es noch spannender. Hier versprechen die Hersteller lichtstarke Linsen (die viel Licht auf den Sensor lassen) – allerdings nicht zum Schnäppchenpreis. Festbrennweiten kosten häufig ab 700 EUR, für lichtstarke Zoom-Objektive werden gern schon einmal 2.500 EUR verlangt.

Auch hier will eine Neuanschaffung gut überlegt sein.Für die Immobilienfotografie ist eine hohe Lichtstärke nicht unbedingt erforderlich. Denn statt der teuren Offenblende von f/1.2 oder f/1.4 blenden die Profis gern auf Werte zwischen f/5.6 und f/11 ab. Die starken Offenblenden sind hingegen für Porträt- und Astronomiefotografen interessant.

Großartige Eigenschaften bei Kameraneuheiten

Viele der neuen Eigenschaften bei den erwarteten Kameramodellen sind für die Immobilienfotografie gar nicht so wichtig.

Beispielsweise die Auflösung. Wenn hier mit 40 bis 75 Megapixel geworben wird, dann sollten Immobilienfotografen berücksichtigen, dass die meisten ihrer Bilder ohnehin im Internet landen. Hier wird selten mehr als 1 Megapixel benötigt. Möchte man hingegen seine Aufnahmen auch mal qualitativ hochwertig drucken, dann reichen Kameras bis zu 24 Megapixel völlig aus. Außerdem kommen ältere Computer mit den kleineren Dateien besser zu recht. Auch das Argument, dass man aus vielen Megapixeln besser Bildausschnitte anfertigen kann, zieht bei der Immobilienfotografie nicht. Im Gegenteil – häufig werden größere Bildwinkel (also mehr Weitwinkel) benötigt.

Häufig hervorgehoben wird eine schnelle Bildwiederholrate, mit der eine Kamera fotografieren kann. 7 – 11 Bilder / Sekunde im Dauerfeuermodus gelten als erstrebenswert. Das ist jedoch nur sinnvoll, wenn sich die fotografieren Objekte unerwartet und schnell bewegen (Tiere, Sportler). Immobilien stehen jedoch meistens still (wer hätte das gedacht), so dass man diese Motive sehr gut mit Einzelaufnahmen einfangen kann.

Und dann wird häufig ein stabilisierter Sensor gefordert. Der ist durchaus bequem, wenn man aus freier Hand bei ungünstigem Licht fotografiert. Insbesondere Konzert- und Street-Fotografen machen davon Gebrauch. Sie sind mobil und müssen schnell reagieren können. Die besten Immobilienfotos entstehen jedoch vom Stativ oder von einer festen Unterlage. So lässt sich die Kamera genauer ausrichten und gleichzeitig das häufig unzureichende Licht exakter einfangen. Ein Bildstabilisator wirkt an dieser Stelle nur kontraproduktiv.

Was wünschen sich Immobilienfotografen?

Es gibt jedoch einige Dinge, die in den Kameraprognosen kaum eine Rolle spielten, die für starke Immobilienfotos aber sehr hilfreich sein könnten.

Jede Kamera rauscht. Das so genannte ISO-Rauschen ist auch bei kleinen ISO-Werten und sehr professinellen Kameras vorhanden und kommt spätestens bei intensiver Bildbearbeitung in gleichfarbigen und dunklen Bildbereichen zum Vorschein. Also wäre es schön, wenn die Signalverarbeitung diesen Bildfehler besser im Griff hätte.

Eine hohe Bilddynamik beschreibt einen großen Bereich zwischen den hellsten und den dunkelsten Bildteilen mit erkennbaren Details. Digitalfotos aus sehr guten Kameras können heute gerade mal rund 60 Prozent der Helligkeitsdynamik des menschlichen Sehvermögens darstellen (bei guten Smartphones sind es gerade mal 40 Prozent). Immobilienfotografen wünschen sich einen hohen Dynamikbereich, um beispielsweise einen Raum und den Blick aus dem Fenster gleichzeitig gut belichtet zu zeigen.

Zum Glück gibt es immer mehr Kameramodelle mit Klappmonitor. Seit ich eine Kamera mit dieser Funktion habe, ist das Fotografieren deutlich bequemer geworden. Für die Immobilienfotografie würde ich wohl auf dieses Feature nicht verzichten wollen. Alternativen wären drahtlose Livebildübertragungen auf Smart-Geräte. Diese sind je nach Gerätekombination jedoch nicht wirklich schnell und zuverlässig oder erfordern vom Anwender eine gewisse technische Leidensfähigkeit (wie immer, wenn man zwei nicht verwandte Geräte zusammenschließt).

Fazit: Viel Geld für wenig nutzbaren Mehrwert

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Die neuen Kameras sind zweifellos exzellente Fotoapparate, die für so manche Fotosituation richtig fortschrittliche Funktionen und beachtlichen Komfort mitbringen. Und ich überlege tatsächlich, ob ich ein Upgrade meiner bestehenden Ausrüstung vornehmen soll. Schließlich fotografiere ich nicht nur Immobilien sondern auch andere Szenarien mit professionellem Anspruch.

Wer aber vorrangig Immobilienfotografie betreibt, muss nach diesen Voraussagen nicht auf den Neuheitenzug dieses Jahres aufspringen. Ältere Kamera- und Objektiv-Modelle, die solide Funktionen mitbringen und sehr gute Ergebnisse erzeugen, reichen für gute Immobilienaufnahmen völlig aus. So lässt sich eine Menge Geld sparen.

Zum Glück haben die Zukunftsdeuter in einigen Fällen danebengelegen. Denn wie das Update weiter oben zeigt, gibt es 2019 sehr wohl neue Kameras, deren Kosten nich so stark wie vermutet zu Buche schlagen und für die Immobilienfotografie ausgesprochen geeignet sind.

Sollte sich daran im Laufe dieses Jahres etwas ändern und ein Hersteller ein echtes Killer-Feature für die Immobilienfotografie zeigen, melde ich mich an dieser Stelle sofort.

Meine Empfehlungen für die Basisausrüstung liegen (Stand: heute) bei der Kamera-Objektiv-Kombination zwischen ca. 1.400 EUR (Nikon und Canon) und rund 1.850 EUR (Sony und Fujifilm). Damit haben Sie eine sehr solide Ausrüstung, die noch einige Zeit alle Anforderungen an gute Immobilienfotos erfüllen wird. Gegenüber der überstürzten Anschaffung einer Neuheit lässt sich so ein beachtlicher Betrag Geld sparen, den man wiederum besser investieren kann – beispielsweise in diese fotografische Fortbildung.

 
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