Wie fotografiere ich Kaminfeuer richtig?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 4. März 2019 - in: Fragen und Antworten | Tutorials

Lesezeit: 6 Minuten

Wie fotografiere ich Kaminfeuer richtig?Zu einer hochwertigen Wohnungsausstattung gehört häufig auch ein Kamin oder ein Kaminofen. Mit ihrer großen Sichtscheibe geben sie den Blick auf das Kaminfeuer frei. Gleichzeitig sorgt die Strahlungswärme für Gemütlichkeit im Wohnzimmer. Wenn wir das Ziel haben, freundliche Aufnahmen von Innenräumen zu produzieren, dann sollten die Annehmlichkeiten eines Objektes auch inszeniert werden. Dazu gehört eben auch, die wohlige Wärme eines Kamins sichtbar zu machen. Tut man das nicht, so fotografiert man lediglich ein dunkles, häufig verrußtes Loch und überlässt den Wohlfühlfaktor der Phantasie des Betrachters.

Wer jedoch die Absicht hat, einen Kamin in Betrieb zu fotografieren, steht häufig vor mehreren Problemen. Mit der passenden Anzündtechnik, den richtigen Kameraeinstellungen und wenigen kleinen Hilfsmitteln bewältigen Sie diese Probleme spielend.

Hier erfahren Sie also, wie Sie Kaminfeuer eindrucksvoll und effektiv fotografieren. Die Kamininfos und Bespielfotos stammen aus einem Langzeitprojekt mit Ofenexperte.de.

Problem 1: Das Feuer ist zu klein und brennt nur langsam

Zeit ist Geld. Wenn man selbst keine Kaminerfahrung hat, spricht man am besten spricht man vor der Inbrandsetzung des Kamins mit dem bisherigen Eigentümer. Er kennt die Eigenheiten der Feuerstätte, gibt Tipps und zündelt bestenfalls selbst. Für das Entzünden des Kamins haben sich in den vergangenen Jahren zwei unterschiedliche Philosophien entwickelt.

  1. Was ganz gut funktioniert ist der obere Abbrand, bei dem Kleinholz oben auf einem Scheitholzsstapel mit einem geeigneten Holzanzünder (in Wachs getauchte Holzwollmäuse oder kerosinfreie Floretts) angezündet werden und dann nach und nach die Holzscheite in Brand setzen.
  2. Wer allerdings schnell eine auskömmliche Flamme für das Foto haben möchte, sollte die klassische Variante wählen. Entzünden Sie Kleinholz auf dem Rost und legen Sie größe Scheite obenauf. Das hat den Vorteil, dass gleich am Anfang für das Foto ein realistisches Flammbild entsteht, das die Scheite umspielt, selbst wenn die eigentlichen Holzscheite noch nicht richtig brennen.
Kamin richtig anzünden

Mit der richtigen Anzündtechnik ist der Kamin schnell bereit für das Fotoshoot.

Und natürlich sollte der Verbrennungsluftregler voll geöffnet sein, damit dem Feuer viel Sauerstoff zugeführt wird. Zuweilen hilft es auch, in der Anbrandphase die Tür einen Spalt zu öffnen (das sollte aber nicht bei selbstverriegelnden Türen gemacht werden, da diese Funktion für die Betriebssicherheit wichtig ist).

Wenn man viel Zeit hat, kann man den ersten Abbrand abwarten und dann auf das Glutbett neue Scheite gut getrockneten Holzes, am besten Hartholz wie Buche oder Eiche, legen. Dann entsteht ohne Mühe das klassische Flammbild.

Problem 2: Das Feuer ist viel zu hell

Wenn der umgebende Raum sehr dunkel ist, dann wirkt ein loderndes Kaminfeuer wie eine blendende Lichtquelle, in etwa so, als würden wir direkt in die Sonne schauen. Der Kamera ergeht es beim Blick auf ein solches Kaminfeuer noch deutlich schlimmer, denn sie kann nur einen sehr begrenzten Bereich zwischen Hell und Dunkel gleichzeitig abbilden. Was hilft?

  1. Schalten Sie das Raumlicht probehalber ein. Manchmal reicht schon die Lichtreflexion von hellen Wänden für den Beleuchtungsausgleich.
  2. Wiederholen Sie ab der ersten Flammentwicklung Ihre Aufnahmen in kurzen Abständen von ca. 30 Sekunden immer wieder. Dann strahlen die Flammen noch nicht so sehr hell. Wählen Sie anschließend das beste Bild aus. Wenn Sie das öfter machen, finden Sie immer schneller den Punkt für das perfekte Kaminfeuer-Foto.
  3. Machen Sie mehrere Aufnahmen vom exakt gleichen Standpunkt –  am besten vom Stativ – und belichten Sie einmal auf das Kaminfeuer und einmal auf die Umgebung. Sie haben zwei Fotos. Bei dem einen ist das Kaminfeuer korrekt belichtet und der Umgebungsraum unterbelichtet. Auf dem anderen Bild hat der Wohnraum die korrekte Belichtung und der Feuerraum ist sehr überbelichtet. In der Bildbearbeitung legen Sie die Bilder übereinander und blenden die jeweils korrekt belichteten Bereiche für das Endfoto ein.
Einschalten der Raumbeleuchtung

Schon das Einschalten der Raumbeleuchtung hilft. Links: Kaminfeuer im Raum ohne Beleuchtung – in der Flammmitte ist das Feuer einfach nur weiß , Rechts: Kaminfeuer bei eingeschalteter Raumbeleuchtung – der Kontrast zwischen Feuer und Umgebung ist geringer, daher wird die Flamme realistischer dargestellt.

Letzteres ist zwar eine fortgeschrittene Technik, deren Aufwand hält sich mit der richtigen Software jedoch in Grenzen. Der Vorteil ist, dass Feuerräume von Kaminen meist glatte Kanten haben und sich somit am Computer relativ einfach ausschneiden lassen.

Hinweis an ehemalige Teilnehmer aus meinen Workshops:

Eine so genannte automatische HDR-Aufnahme lohnt sich meist nicht, da sich die Flammen bewegen und somit beim Überblenden am Computer unrealistische Geisterflammen entstehen. Automatische HDRs funktionieren nur bei wirklich statischen Motiven.

Problem 3: Das Feuer ist viel zu unruhig und unscharf

Lodernde Flammen bewegen sich. Wenn Sie mit den üblichen Einstellungen für die Immobilienfotografie Bilder aufnehmen, arbeiten Sie häufig mit langen Belichtungszeiten. Während also das Licht des Kaminfeuers auf den Kamerasensor gelangt, bewegt sich das Feuer – verändert laufend Form und Größe. Das Ergebnis sind Bewegungsunschärfen, die keine scharfen Flammkanten und Flammspitzen zeigen. Ein gemütliches Kaminfeuer wird im Foto zum unruhigen Schmiedefeuer.

Drehen Sie von den drei Belichtungsparametern den Regler ISO nach oben und beobachten Sie dabei, wie sich die Belichtungszeit verändert. Ab einem Wert von etwa 1/30 Sekunde oder kürzer stellt sich ein realistisches Flammbild ein. Je kürzer die Zeit, um so besser wird die Flammbewegung fixiert. Aber aufpassen, denn mit einem hohen ISO-Wert nehmen auch Bildstörungen wie Bildrauschen und Farbveränderungen zu.

Feuer beruhigen durch ISO-Wert

Gleiches Feuer – scheinbar unterschiedliche Intensität. Links: ISO 100 und 1 Sekunde belichtet – das Feuer wirkt durch die Bewegungsunschärfe sehr unruhig; Rechts: ISO 1600 (+4 EV) und 1/15 Sekunde (-4 EV) belichtet – die Belichtung ist identisch, doch das Feuer sieht viel realistischer aus, weil es sich während der kürzeren Belichtungszeit nicht so stark bewegen kann. Allerdings macht sich im Griff-Bereich bereits unschönes Bildrauschen bemerkbar.

Wenn das Kaminfeuer zu wild züngelt, dann können Sie den Verbrennungsluftregler leicht schließen und die Flammen damit etwas beruhigen.

Problem 4: Das Feuer wird von Reflexionen gestört

Die klare Sichtscheibe gestattet den Blick auf’s Kaminfeuer. Jedoch sorgt ihre glatte Oberfläche gleichzeitig auch dafür, dass alle Lichtquellen im Raum reflektiert werden. Sie machen sich als helle Flecken oder Punktlichter bemerkbar. Direkt vor Ort kann das menschliche Gehirn diese Reflexionen unterdrücken. Nur wenn man bewusst darauf achtet, werden sie wahrgenommen. Auf einem Foto wirken die Reflexionen jedoch immer störend. Bevor der Kamin angezündet wird, kann man Vorkehrungen treffen, am besten in Kombination, und das Ergebnis beobachten:

  1. Entfernen Sie helle Gegenstände, die Raumlicht reflektieren, aus dem Reflexionswinkel. Machen Sie gegebenenfalls mehrere Testaufnahmen, bis diese Reflexionen verschwunden sind.
  2. Verdunkeln Sie die Fenster und benutzen Sie nur das Raumlicht. Tageslicht ist meist so hell und hat eine so unterschiedliche Lichtfarbe, dass dessen Reflexionen immer auffallen.
  3. Verwenden Sie einen Polarisationsfilter vor dem Objektiv. Dieser kann in bestimmten Winkeln Reflexionen bis an die Wahrnehmbarkeitsgrenze abmildern, sofern die Oberfläche nicht metallisch ist. Er funktioniert auch bei glänzenden Möbelfronten, Duschabtrennungen und Fußböden – gehört also definitiv in die Fototasche (Tipp: Gewinde an der Objektivvorderseite beachten).
Störende Reflexionen beseitigen

Störende Reflexionen beseitigen – Links: In der Kamintür spiegelt sich die Wohnzimmereinrichtung und das Fensterlicht; Rechts: Die Fensterläden wurden geschlossen und ein Polfilter verwendet, damit die Reflexionen erheblich gedämpft werden. So ein Filter schluckt allerdings auch etwas Licht.

Andere Brennstoffe als Holz für das Kaminfeuer

Mit diesen Hinweisen lassen sich sehr leicht gute Fotos von brennenden Holzscheiten machen. Andere Heizquellen wie Pelletöfen, Gaskamine oder Bio-Ethanolbrenner haben den Vorteil, dass sie meist schnell entzündet sind und dass ihre Intensität regelbar ist. So kann man immer das richtige Feuer für’s Foto einstellen. Das Fotografieren wird damit noch einfacher.

Die Alternative – Kaminfeuer aus der Datenbank

Sie können das Flammenspiel natürlich auch nachträglich dem Bild hinzufügen. Dazu ist es gut, wenn man sich eine kleine Datenbank mit verschiedenen Feuermotiven zulegt und diese dann bei Bedarf in nachträglich in das Bild montiert. Aber Vorsicht! Achten Sie auch auf mögliche Reflexionen der Flammen am Fußboden, an Möbeln oder am Gehäuse des Kamins. Nur damit wirkt das Feuer realistisch.

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