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5 häufige Fehler bei Immobilienfotos vermeiden

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 16. August 2018 - in: Tutorials

5 häufige Fehler in ImmobilienfotosAuf Immobilienfotos, die Makler auf den gängigen Portalen und auf ihren Webseiten zeigen, fallen immer wieder einige grundlegende Fehler auf, die mit etwas Geduld bei der Fotografie oder in der Nachbearbeitung einfach beseitigt werden können. In diesem Beitrag habe ich die Top 5 der Bildfehler analysiert und zeige, wie man diese Fehler verhindert.

Fehler bei Immobilienfotos erkennen

Nur wenn sie die Mankos erkennen, können Sie diese vermeiden. Die folgenden Beispielbilder stammen aus alltäglichen Fotosituationen,  sind mit einem Smartphone aufgenommen und beinhalten immer mehrere Bildfehler.

Die Häufung und Art der Auffälligkeiten stammen aus meinen Analysen zu Immobilienfotos auf Immoportalen (in der kommenden Woche gibt es eine neue), aus den Aufnahmen, für deren Korrektur mich Makler mit der Bildbearbeitung beauftragen oder aus den Bildern, die Teilnehmer zu meinen Foto-Workshops mitbringen. Die Fehlerquellen liegen häufig bei kleinen Mankos im Fotowissen und zum Teil auch bei der Ausrüstung.

1. Waagerechte Ausrichtung der Kamera

Fehler bei Immobilienfotos: Waagerechte Ausrichtung

Wenn die Kanten an beiden Seiten in die gleiche Richtung geneigt sind, dann ist das Bild leicht gedreht, also nicht waagerecht ausgerichtet.

Wenn Kinder mit der Kamera ihrer Eltern im Urlaub fotografieren, hört man oft: „Halt‘ bitte die Kamera gerade.“ Schließlich soll im Foto am Ende ein waagerechter Horizont zu sehen sein. Genauso verhält es sich bei der Immobilienfotografie. Nur wenn die Kamera waagerecht positioniert wird, entsteht ein wirklichkeitsnaher Eindruck. Weicht die Kameraposition nur etwas davon ab, bemerkt der Betrachter sofort, dass „irgendwas mit dem Foto nicht stimmt“.

Aber Vorsicht, bei perspektivischen Aufnahmen darf kann nur jene Linie waagerecht sein, die auf Augenhöhe (also Objektivhöhe) liegt. Linien, die darüber oder darunter liegen, laufen immer schräg aus dem Bild heraus oder hinein. Für eine waagerechte Ausrichtung helfen in diesem Fall die senkrechten Linien am Objekt, weil diese im rechten Winkel zur Horizontalen liegen. Die Kamera ist so auszurichten, dass diese Linien im besten Falle parallel zur Bildkante (siehe nächster Bildfehler) verlaufen.

Lösungen

  • Senkrechte Linien parallel zur beiden Bildrändern ausrichten
  • Kamera so drehen, dass die senkrechte Mittelachse sich mit einer senkrechten Linie am Objekt deckt
  • Kamera mit einer Libelle am Blitzschuh oder Stativ oder mit dem Horizonttool in der Kamera waagerecht ausrichten

2. Senkrechte Ausrichtung der Kamera

Fehler bei Immobilienfotos: Senkrechte Ausrichtung

Die Kamera wurde nach unten geneigt, damit die Badewanne im Bild ist. An den Fenstern werden durch die Perspektive schräge /stürzende Linien erkennbar.

Erwachsene fotografieren gern aus einer stehenden Position heraus, weil sie glauben, dass ihre Sicht auf die Dinge richtig ist. Oder vielleicht auch nur aus Bequemlichkeit.In Räumen ist dieser Standpunkt meistens zu hoch – die Kamera wird dann nach unten geneigt, um auch tiefliegende Bildbestandteile abzubilden. Diese werden jedoch perspektivisch verzerrt und im Verhältnis zu Gegenständen auf Augenhöhe kleiner abgebildet.

Bei Außenaufnahmen von Häusern verhält es sich meist anders herum. Hier laufen so genannte stürzende Linien nach oben hin zusammen. Vor Ort hilft uns dabei unser Gehirn, diese Perspektive zu filtern und senkrechte Linien auch als solche zu interpretieren. Ein zweidimensionales Foto kann das allerdings nicht. Die Bilder sehen immer unnatürlich verzerrt aus.

Lösungen

  • Kamera senkrecht positionieren, sich dabei an den Außenkanten im Motiv orientieren
  • die Aufnahmehöhe variieren
  • Kamera mit einer kleinen Zubehörwasserwaage oder mit dem Horizonttool in der Kamera senkrecht ausrichten

3. Unscharfe Aufnahmen

Fehler bei Immobilienfotos: Unscharfe Aufnahme

Diese Innenaufnahme wurde aus der Hand fotografiert. Die Belichtungszeit war zu lang, deshalb ist sie verwackelt.

Für unscharfe Bilder gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Entweder wurde die Schärfe an der Kamera vor dem Auslösen nicht exakt eingestellt oder beim Auslösen wurde die Kamera bewegt, so dass das Bild verwackelt ist.

Smartphones sind keine Präzisionsinstrumente. Sie erzielen die Schärfe bei Entfernungen von über drei Metern häufig durch die Schärfentiefe. Allerdings werden Smartphones im Alltag oft schlecht behandelt, was der Genauigkeit nicht unbedingt zuträglich ist.

Leistungsfähigere Systeme bieten neben einem guten Autofocus und manueller Korrektur auch eine optische oder elektronische Schärfekontrolle.

Damit Fotos nicht verwackelt werden, muss die Kamera absolut stillgehalten werden. Dunkle Lichtverhältnisse im Innenraum sorgen oft für lange Belichtungszeiten. Je länger die Belichtungszeit ist, um so größer ist die Gefahr verwackelter Bilder. Insbesondere der Druck auf den Auslöser verursacht im Moment der Belichtung einen Impuls an der Kamera. Schon eine minimale Bewegung bewirkt unscharfe Bilder. Unscharfe Bilder sind ein K.O.-Kriterium für jede Präsentation.

Lösungen

  • für eine stabile Kameraauflage sorgen (Stativ, Möbelstück)
  • Kamera fernauslösen oder Selbstauslöser verwenden
  • Schärfekontrolle am Kameramonitor in der 100%-Vergrößerung

4. Gebogene Kanten an den Bildrändern

Fehler bei Immobilienfotos: Gebogene Kanten

Deutlich sichtbar: Eigentlich gerade Linien sind an den Kanten durch billige Objektive gebogen dargestellt.

Die preiswerten Kunststoffobjektive in Smartphones oder Kompaktkameras sind häufig nicht sehr gut korrigiert. Der Kostendruck ist einfach zu hoch. So kostet das ganze Kameramodul in einem Smartphone um 40 EUR, währen Sie allein für eine Mittelklasse-Kameraoptik an einem Spiegelreflex- oder spiegellosen System einen mittleren dreistelligen Betrag bezahlen.

Für ihren eigentlichen Einsatzzweck von Smartphones, die Schnappschussfotografie, reicht diese Qualität aus. Da es jedoch in beinahe jedem Motiv für ein Immobilienfoto eine oder viele gerade Kanten gibt, fällt dieser Objektivfehler gravierend auf. In höherwertigen Objektiven hingegen sind diese Verzeichnungen auf ein Mindestmaß reduziert. Besser berechnete Linsen aus oberflächenvergütetem Mineralglas sind in ihnen verbaut. Allerdings müssen in der Immobilienfotografie Objektive eingesetzt werden, die einen stärkeren Weitwinkel mitbringen. Ein großer Bildwinkel verstärkt diesen Effekt jedoch wieder – bei jedem Objektiv fällt er anders aus.

Lösungen

  • mit gutem Objektiv fotografieren (hier sind die optischen Fehler reduziert)
  • nur soviel Weitwinkel wie wirklich nötig einstellen
  • Bildbearbeitungsprogramme nutzen, die über definierte Objektivprofile die Restfehler exakt beseitigen (beispielsweise Adobe Lightroom)

5. Unausgeglichene Belichtung

Fehler bei Immobilienfotos: Unausgeglichene Belichtung

Der Belichtungsspielraum der Kamera reicht nicht aus, um gleichzeitig die Details in den Fenstern und in den dunklen Raumecken darzustellen.

Insbesondere in Innenräumen herrschen wenig fotogene Lichtverhältnisse. Es gibt Licht mit unterschiedlichen Grundfarben (beispielsweise bläuliches Tageslicht, das durch die Fenster hereinfällt und gelbliches Kunstlicht von Lampen und Leuchtern). Auch hier kann unser Gehirn die unterschiedlichen Lichttemperaturen interpretieren, während eine Fotokamera unbestechlich ist und tatsächlich blaues und gelbes Licht in einem Foto abbildet.

Außerdem strahlen diese Lichtquellen mit unterschiedlicher Intensität. Eine Kamera hat jedoch nur einen begrenzten Belichtungsspielraum (Dynamikumfang). Deshalb erscheinen sonnenbeschienene Fenster häufig als weiße Flächen, die womöglich einen schönen Ausblick gar nicht wiedergeben. Oder die Kamera bezieht das Tageslicht mit ein, stellt dann aber die Einrichtung im Inneren zu dunkel dar. In beiden Fällen lassen sich verlorene Informationen nicht rekonstruieren (weiß bleibt weiß und schwarz bleibt schwarz)

Lösungen

  • eine „richtige“ Ausrüstung verwenden (aktuelle Kameras haben im Vergleich zu Smartphones bis zu 60 Prozent mehr Belichtungsspielraum)
  • Licht hinzufügen und /oder blocken
  • Aufnahmen im RAW-Format erstellen (hat im Gegensatz zum JPG-Format einen deutlich größeren Belichtungsspielraum)
  • mit Belichtungsreihen arbeiten und gegebenenfalls HDR-Aufnahmen am Computer erstellen

Weiterführende Links

Foto-Workshop Grundlagen der Immobilienfotografie

Bildbearbeitungs-Workshop für Immobilienfotos

Basisausrüstung für Immobilienaufnahmen

 
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