Wie bändige ich KI-Halluzinationen bei Immobilienfotos?

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 22. Februar 2026 - in: Tutorials

Wie bändige ich KI-Halluzinationen bei Immobilienfotos?Hand aufs Herz: Die künstliche Intelligenz ist in unserem Arbeitsalltag ein echter Segen geworden. Mal eben die störende Mülltonne des Nachbarn vor der Einfahrt entfernen oder den grauen Himmel in ein strahlendes Blau verwandeln? Mit Tools wie Adobes „Generatives Füllen“ ist das heute verhältnismäßig schnell behoben (wenn man weiß, wie es geht). Doch dann passiert es: Sie möchten nur ein paar Kabel unter dem Schreibtisch wegretuschieren, und plötzlich entscheidet die KI, dass dort ein flauschiger Teppich hingehört, der nahtlos in die Wand übergeht. Oder schlimmer: Das virtuelle Staging zaubert in den Raum eine Couch, die drei Beine hat und halb im Boden versinkt. Herzlich willkommen in der Welt der KI-Halluzinationen.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie diese digitalen Patzer vermeiden.

Was sind eigentlich KI-Halluzinationen in der Fotografie?

KI ist darauf trainiert, uns in jedem Fall zu helfen. Stößt sie an ihre Grenzen, generiert sie Szenarien, die für sie plausibel erscheinen. Ein „Das kann ich nicht.“, kommt ihr nur schwer über die digitalen Lippen.

In der Textwelt erfinden ChatGPT & Co. Fakten; in der Bildwelt erfindet die KI Pixel. Eine Halluzination tritt auch auf, wenn der Algorithmus den Kontext eines Bildes nicht korrekt interpretiert. Da die KI nicht „weiß“, wie Architektur physikalisch funktioniert, rät sie. Das Ergebnis sind unlogische Schatten, verzerrte Fensterrahmen oder Möbelstücke, die gegen die Schwerkraft verstoßen.

Überfordert wird die KI beispielsweise durch unklare Anweisungen, falschen Werkzeugeinsatz und unzureichende Bildqualität.

Beim Virtual Staging des Fotos dieser ursprünlgich leeren Küche ging alles schief. KI halluziniert - okay, hier zur Verdeutlichung etwas übertrieben.

Beim Virtual Staging des Fotos dieser ursprünlgich leeren Küche ging alles schief. KI halluziniert – okay, hier zur Verdeutlichung etwas übertrieben.

Gleiche Küche, gleiche Werkzeuge - von KI-Halluzinationen keine Spur.

Gleiche Küche, gleiche Werkzeuge – von KI-Halluzinationen keine Spur.

Tipp 1: Die Qualität des Ausgangsmaterials ist entscheidend

Die KI ist kein Zauberstab, der aus einem verrauschten Handyfoto bei Gegenlicht ein Meisterwerk macht. Je schlechter die Bildqualität (Bildrauschen, Unschärfe, Belichtung, Bildausschnitt), desto eher fängt die KI an zu raten.

Mein Rat an Sie: Fotografieren Sie weiterhin mit Stativ und achten Sie auf eine gute Belichtung. Ein sauberes, scharfes Foto gibt der KI eine klare Struktur vor. Wenn die KI genau erkennt, wo die Fußleiste endet und der Boden beginnt, wird sie dort keine seltsamen Objekte hineinerfinden.

Tipp 2: Arbeiten Sie mit präzisen Masken statt „Gießkanne“

Viele Makler machen den Fehler, der KI zu viel Freiheit zu lassen. Wenn Sie ein ganzes Zimmer „verschönern“ lassen, ohne Bereiche einzugrenzen, ist das Risiko für Halluzinationen bei 100 %.

  • Nutzen Sie die klassischen Bildbearbeitungswerkzeuge Lasso oder Pinsel: Markieren Sie wirklich nur den Bereich, der verändert werden soll.
  • Knappe Auswahl: Je kleiner der markierte Bereich, desto weniger Spielraum hat die KI für kreative Fehltritte.

Tipp 3: Das richtige Prompting – Seien Sie ein Regisseur

Wenn Sie die generative Füllung nutzen, lassen Sie das Textfeld nicht einfach leer. Die KI versucht sonst, den Kontext selbst zu erraten.

Schlechter Prompt:

Guter Prompt:

Indem Sie präzise Adjektive und Materialien nennen, zwingen Sie die KI in ein logisches Korsett. Das verhindert, dass aus einer einfachen Bodenverbesserung plötzlich ein Marmorpalast wird, der gar nicht zur Immobilie passt.

Tipp 4: Die „Human-in-the-Loop“-Kontrolle

KI-Tools sind fantastische Assistenten, aber miserable Chef-Redakteure. Bevor ein Bild ins Exposé wandert, müssen Sie es mit dem unbedingt prüfen. Achten Sie besonders auf:

  • Lichtquellen: Kommt der Schatten des neuen Sessels aus der gleichen Richtung wie der Rest im Raum?
  • Linienführung: Sind Türrahmen und Wände noch gerade und passen sie zur Perspektive Ihrer Weitwinkelaufnahme?
  • Reflexionen: Hat die KI in Fenstern oder Spiegeln Geisterobjekte erschaffen?

Human in the Loop ist in der KI-Welt ein Ausdruck, mit dem beschrieben wird, wenn die menschliche Kontrolle Teil des Produkionsprozesses bleibt.

Tipp 5: Weniger ist mehr (Die rechtliche Falle)

Denken Sie immer daran: Ein Immobilienfoto ist ein Teil eines Vertragsanbahnungsprozesses. Wenn die KI durch eine Halluzination ein renovierungsbedürftiges Detail wegzaubert oder ein Fenster hinzufügt, das nicht existiert, bewegen Sie sich juristisch auf dünnem Eis.

Nutzen Sie KI zur Optimierung (Sauberkeit, Licht, Staging), nicht zur Manipulation der Bausubstanz.

Fazit: Die KI braucht Führung

KI-Halluzinationen sind kein Schicksal. Mit hochwertigen Ausgangsfotos, präzisen Auswahlbereichen, klaren Anweisungen und kritischer Endkontrolle können Sie die Vorteile der Technik nutzen, ohne Ihre Glaubwürdigkeit zu riskieren. Die KI übernimmt das Handwerk, Sie behalten die kreative und logische Führung.

Wie das funktioniert, kann ich Ihnen im Detail zeigen. Meinen Workshop-Zyklus zur Immobilienfotografie habe ich um den Aufbau-Workshop „KI für Immobilienfotos“ ergänzt. Praxisnah lernen Sie, wie Sie für den Immobilienvertrieb aktuelle KI-Werkzeuge effizient und wahrheitserhaltend zur Bildoptimierung einsetzen. Weitere Informationen hier:

 
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