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Tutorial: Bei Immobilienfotos den Himmel austauschen

Oliver M. Zielinski Oliver M. Zielinski - 12. April 2018 - in: Tutorials

Tutorial: Bei Immobilienfotos den Himmel austauschenIn meinen Immobilienfoto-Workshops wirft beim Thema Bildbearbeitung irgendein Teilnehmer immer die Frage auf, wie man denn schnell den Himmel austauschen könne. Schließlich würden sich Objekte, die bei strahlendem Wetter dargestellt werden, besser verkaufen. Das ist durchaus verständlich, zumal wir Wärme und Licht als angenehmen Lebensumstand empfinden und deshalb auch ein neues Wohnumfeld oder eine neue Investition bei Sonnenschein schöner aussieht.

Photoshop hilft perfekt beim Compositing

Solch ein Vorhaben umzusetzen, ist mit aktuellen Softwareprodukten ziemlich einfach. Im Fach-Jargon nennt man diese Verknüpfung verschiedener Bildelemente „Compositing“ (englisch für Zusammensetzen, Mischen, Integrieren). Wenn man beispielsweise drei Werkzeuge im Photoshop kennt (Ebenen, Ebenen-Stil-Farbbereich, Maske), geht diese Prozedur auch schnell vonstatten. Viele Immobilien-Profis meinen auch, dass ihre Bestandssoftware das auf Knopfdruck könne. Aaaaber …

… für ein fotorealistisches Ergebnis sind jedoch spezielle Compositing-Techniken gefragt. Leider muss ich meinen Workshop-Schülern deshalb den Glauben nehmen, dass eine wirklichkeitsnahe Umstellung von trübem auf sonniges Fotowetter „einfach so“ zu bewerkstelligen sei. Allein mit dem Austausch des Himmels ist es nämlich nicht getan.

Himmel austauschen: Fehlerquellen für schlechte Ergebnisse

Wenn bestimmte Parameter der zu kombinierenden Elemente nicht zu einander passen, kommt kein Fotorealismus zustande. Dann ergibt sich allenfalls eine mittelprächtige Collage. Der Betrachter mag das im ersten Moment vielleicht nicht genau deuten können, merkt aber, „dass irgendetwas am Bild nicht stimmt“. Er fühlt sich beim längeren Betrachten des Bildes unwohl. Und diese Unsicherheit beim allerersten Kontakt sollte meiner Meinung nach auf jeden Fall vermieden werden, denn darunter leidet womöglich das Vertrauen in eine professionelle Dienstleistung von Anfang an.

Deshalb möchte ich hier zeigen, worauf Sie beim fotorealistischen Austausch des Himmels achten müssen. Wenn Sie die folgenden Fehlerquellen kennen, können Sie manchen Fallstrick vermeiden.

1. Das richtige Bildmaterial für Himmel und Vordergrund

Zunächst müssen die einzelnen Elemente technisch zu einander passen. Das heißt, der zu integrierenden Himmel sollte im besten Fall in der gleichen Himmelsrichtung aufgenommen sein, wie die Immobilie. Auch die Tageszeit, die Jahreszeit und der Breitengrad spielen eine Rolle. Im Winter steht die Mittagssonne tiefer und wirft anderes Licht als im Sommer, morgens und abends gibt es Licht aus anderer Höhe und mit anderer Farbe als zur Mittagszeit. Und ein Alpenhimmel hat immer eine andere Lichtstimmung als das Firmament auf Sylt.

Am besten ist es, wenn man sich eine kleine Datenbank mit verschiedenen schönen Himmeln anlegt und dabei systematisch vorgeht.

Schritt 1

Zunächst sollten die Blickwinkel der Aufnahmen zu einander passen. Dazu gehen Sie am besten mitten auf ein freies Feld, einen Golfplatz oder eine Bergkuppe mit unverbautem Blick zum Horizont und fotografieren den Himmel inklusive der Horizontlinie im unteren Bildbereich. Drehen Sie sich um Ihre eigene Achse und machen in 45°-Schritten je ein Foto. Anschließend haben Sie 8 Aufnahmen, die Sie mit der jeweiligen Himmelsrichtung benennen können.

Schritt 2

Auch verschiedene Tageszeiten sollten berücksichtigt werden, da die Sonne unterschiedlich hoch steht, dabei Wolken unterschiedlich beleuchtet und verschiedene Lichtfarben erzeugt. Fotografieren Sie also die Szene aus Punkt 1 alle zwei Stunden bei ausreichendem Tageslicht, beispielsweise um 10, 12, 14, 16 Uhr. Damit wären wir bei 32 Aufnahmen, die Sie ebenfalls um die Uhrzeit ergänzen können. In den Wintermonaten kann man sich den 16-Uhr-Termin sparen, dafür wird es im Sommer gern auch mal um 18 Uhr ein Himmels-Shooting geben.

Schritt 3

Das Ganze wiederholen Sie einmal in jedem zweiten Monat (auch hier wieder im Dateinamen vermerken), womit wir bei 192 Himmelsbildern wären. Das hört sich nach einer ganzen Menge Fotos an, ist aber für eine realistischere Umsetzung nicht ganz unwichtig. Angenehmer Nebeneffekt: Sie haben jetzt eine Vielzahl verschiedener heimischer Wolkenbilder, so dass nicht jede Ihrer Aufnahmen mit dem gleichen Himmel versehen werden muss.

Austausch-Himmel aus der Datenbank

Austausch-Himmel aus der Datenbank, Dateiname: „himmel-feb-12-sw.jpg“
Freies Feld mit sichtbarer Horizontlinie, aufgenommen 27.02.2005, 12:02 Uhr, Richtung Südwest
Der untere Teil ist irrelevant, denn er wird von der Immobilie und deren Umfeld überdeckt.

Jetzt müssen Sie nur noch Himmelsrichtung, Datum und Uhrzeit Ihrer zu korrigierenden Immobilienaufnahme kennen, und schon lässt sich ein fotorealistischer Himmel zuordnen und benutzen. Wichtig ist jetzt, bei der Überlagerung beider Aufnahmen die Horizontlinie möglichst genau zu treffen.

Tipp: Bei der zu verwendenden Brennweite müssen Sie etwas schummeln. Ideal wäre natürlich ein Bildwinkel, welcher der Aufnahmebrennweite des Immobilienfotos entspricht. Extreme Brennweiten sind jedoch soweit gespannt, dass sie vom Himmel einen horizontalen Farbverlauf von sehr hellem zu einem kräftigen Blau abbilden. Das sieht im Compositing unnatürlich aus. Deshalb empfehle ich zwar, im Weitwinkelbereich zu bleiben, aber oberhalb von 35 mm (Vollformat) zu agieren. Dieser Wert entspricht rund 24 mm beim DX-/APS-C-Format und etwa 18 mm für Micro-Four-Thirds-Kameras (MFT).

2. Die passende Lichtfarbe zur jeweiligen Tages- und Jahreszeit

Die meisten Collagen von Maklern leiden unter falschen Farben. Wenn die Sonne scheint, werden bestimmte Farben intensiver, abhängig vom Sonnenstand, also der Tages- und Jahreszeit. Um die Lichtfarbe des Immobilienfotos und der Himmelsaufnahme anzupassen, gibt es einen kleinen Trick.

  • Fotografieren Sie für Ihre Himmelsdatenbank gleich immer eine weiß-graue Referenzfläche mit. Das kann beispielsweise ein weißes Blatt Papier sein, das im Vordergrund auf dem Boden liegt. Dieses Blatt erscheint später nicht im Compositing, da wir ja nur den Himmel benötigen.
  • Vor dem Zusammenfügen ermitteln Sie auf dieser weiß-grauen Fläche die korrekten Neutralwerte für die Farbtemperatur und die Tonung und korrigieren gleichzeitig das Himmelsbild auf diese neutrale Lichtstimmung. Das geht in vielen Bildbearbeitungsprogrammen über den Weißabgleich per Mausklick.
  • Jetzt wenden Sie diese Werte manuell auf Ihr Ursprungs-Immobilienfoto an. Somit haben beide Fotos die gleiche Farbtönung. Das Immobilienbild mag jetzt farbverfälscht aussehen, die Korrektur in den richtigen Farbton, also den finalen Weißabgleich, nehmen Sie später vor, nachdem beide Fotos zusammengesetzt wurden.

Sie werden überrascht sein, wie viel realistischer der Himmel dadurch wirkt.

3. Helligkeit und Sättigung des Himmels verändern

Das Immobilienbild am trüben Tag ist von Natur aus immer etwas flau. Man kann die Kontraste anheben und es etwas freundlicher aussehen lassen, auch ein verbesserter Schwarz- und Weißpunkt verhelfen dem Bild zu mehr Knackigkeit.


Links: Originalaufnahme, so wie sie aus der Kamera kam.
Rechts: Kontraste angehoben, Schwarz- und Weißpunkt gesetzt – Bild ist deutlich knackiger.

Der fotografierte Himmel hat jedoch oft ein vergleichsweise dunkles und kräftiges Blau als Hintergrund. Hier bietet es sich an, nach Augenmaß die Helligkeit anzuheben und die Blausättigung herunterzufahren, so dass sie zur Bildstimmung der ursprünglich flauen Immobilienaufnahme passen.


Links: Blauer Originalhimmel montiert – sehr unnatürlicher Look.
Rechts: Weniger Sättigung, mehr Helligkeit im Himmelsblau – das sieht schon etwas realistischer aus.

Tipp: Wenn Sie Himmelsaufnahmen anfertigen, fotografieren Sie keinen wolkenlosen blitzeblauen Himmel. Während er in natura sehr beeindruckend sein kann, macht er Fotos schnell langweilig. Dekorative weiße (keine grauen) Fotowolken, am besten Schäfchenwolken (Cumulus) oder kräftige Federwolken (Cirrus) mit klaren Kanten zum Himmelsblau geben dem Himmel ausreichend Tiefe und machen das Bilderlebnis sehr angenehm.

4. Schatten und Reflexionen können nur mit besonderem Aufwand korrigiert werden

Wenn gerichtetes Licht, wie beispielsweise Sonnenschein, eine Szene beleuchtet, gibt es harte Schatten. Jedes einzelne Objekt wirft diese Schatten – der Dachkasten, die Balkon- oder Terrassenmöbel, einzelne Pflanzen und Blätter, die Fensternischen, der Zaun etc.

Wenn Sie die Original-Szene jedoch an einem trüben Tag fotografiert haben, sind diese Schatten sehr verschwommen und weich, da ein bedeckter Himmel immer ein sehr diffuses Streulicht aussendet.

Gleiches gilt für Reflexionen auf glänzenden Flächen wie beispielsweise von Fensterglas, Edelstahlbauteilen, lackierten Oberflächen und der Wasseroberfläche von Pools und Gartenteichen. Diese wären bei gerichtetem Licht viel stärker und detaillierter als bei diffusem grauem Himmel. Außerdem muss im Fotoergebnis neben der Reflexion der Umgebung auch die Spiegelung des Himmelsblau berücksichtigt sein.

Die Korrekturen von Schatten und Reflexionen in der Bildbearbeitung fotorealistisch vorzunehmen, erfordert einen enormen mehrstündigen oder gar mehrtägigen Aufwand, den ein Immobilienfoto nur sehr selten rechtfertigt.

Eine Möglichkeit, die fehlende Sonne zu ersetzen, wäre zumindest die Arbeit mit Kunstlicht. Aber der kleine Kamerablitz oder der große Aufsteckblitz und selbst die normale Studioblitzanlage haben nicht genug Leistung, um das Sonnenlicht für eine ganze Hausfassade zu simulieren. Auch hier müssen Richtung und Höhe der Lichtquelle wieder dem aktuellen Sonnenstand entsprechen. Man bräuchte eine Ausleuchtung wie an einem Spielfilm-Set.

Unter dem Strich bilden der Schattenwurf und die Reflexionsformation genau das K.O.-Kriterium für eine fotorealistische Abbildung. Unser Unterbewusstsein sagt uns, dass bei blauem Himmel eigentlich die Sonne scheint und deshalb harte Schatten und Reflexionen vorhanden sein müssten. Im Vordergrund sucht man sie aber vergebens.

An dieser Stelle merken wir, „dass irgendwas nicht stimmt.“ Beim Betrachter wird das eingangs erwähnte ungute Gefühl der Verunsicherung ausgelöst.

5. Saubere Ränder für den Himmelsausschnitt

Digitale Fotos bestehen aus Pixeln unterschiedlicher Farbe und Helligkeit. Farb- und Helligkeitsübergänge werden niemals abrupt von einem Pixel zum anderen vollzogen. Bei schrägen Kanten würden hässliche Treppenartefakte entstehen. Deshalb braucht ein Übergang beispielsweise von der Dachlinie eines Hauses zum blauen Himmel mindestens drei, meistens sogar mehr Pixel, um ein realistisches Bild abzugeben.

Wieviele dieser Übergangspixel nun gelöscht werden sollen, um das Bild realistisch erscheinen zu lassen, obliegt einem geschulten Augenmaß des Bildbearbeiters. Bleiben zu viele Übergangspixel zum ursprünglich weiß-grauen Himmel stehen, hat das Dach einen weißen Rand. Schneidet man zu viele Pixel weg, ist der Übergang unnatürlich abrupt.

Bei geraden Kanten eines Hauses oder glatten geometrischen Formen mag das noch gut mit den geometrischen Selektionswerkzeugen herkömmlicher Software möglich sein. Aber sobald die Natur ins Spiel kommt, also beispielsweise Blätter und Zweige im Bild sind, wird es problematisch. Für eine gute Illusion müsste man pixelgenau arbeiten, was jedoch unweigerlich viel Zeit kostet.


Detail-Vergrößerung einer einfachen Montage
Links: Foto mit grauem Himmel.
Rechts: Foto mit ersetztem Himmel – weißliche Ränder um jeden einzelnen Zweig.

Professionelle Software kann hier schon ganz gut helfen, aber dennoch sollte man schon mehr als eine Technik beherrschen (eher drei bis vier), um den Himmel fotorealistisch zu ersetzen.

6. Bilddetails sollten für beide Aufnahmen identisch sein

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir zwei völlig unterschiedliche Fotos mit einander verbinden. Für einen realistischen Eindruck sollten sie also den gleichen Charakter haben.

Ideal ist es, wenn die Aufnahmen aus der gleichen Kamera stammen und mit den gleichen Basiswerten Blende und ISO aufgenommen wurden.

Mit der Blende wird die Objektivcharakteristik übertragen (Schärfen, Unschärfen, optische Makel). Und mit dem ISO-Wert erhält das Bild ein bestimmtes Grundrauschen.

Diese beiden Eigenschaften verleihen jeder Aufnahme einen ganz bestimmten Look. Wenn dieser bei beiden zu montierenden Fotos identisch ist, lässt sich unser Gehirn leichter überlisten.

Auch hier kann man viele Anpassungen im Nachhinein am Computer vornehmen – doch schlägt dann wieder der Zeitfaktor zu, der ein effektives Ergebnis infrage stellt.

Jetzt müssen Sie entscheiden

Am besten ist es natürlich, wenn Sie gleich bei passendem Wetter fotografieren. Das ist in unseren Breitengraden jedoch nicht immer möglich. Ich kenne inzwischen viele Immobilienprofis, die sich die Zeit nehmen und für die Außenaufnahmen spontan einen zweiten Termin bei schönem Wetter ansetzen.

Eine Retusche für die Ersetzung eines Himmels möchte gekonnt ausgeführt sein und erfordert mitunter einigen Aufwand. Alles unterhalb dieses Qualitätsanspruchs würde ich nie veröffentlichen, denn schließlich gilt der Grundsatz „Immobilienfotos sind Werbeaufnahmen“. Und das bezieht sich nicht nur auf den Verkauf eines Objektes sondern vielmehr auf die Eigenwerbung des jeweiligen Immobilienprofis. Denn der erste Eindruck zählt. Dabei kann ein Foto entscheidend helfen oder auch stören. Ein mittelmäßiger oder gar schlechter Einstand ist meist nicht mehr auszubügeln.

Eine mittelprächtige Bildkorrektur, gepaart mit der Aussage „Für meine Zwecke reicht das“, ist deshalb nicht akzeptabel.

Ich selbst ersetze übrigens keine grauen Himmel durch blaue. Allenfalls, verpasse ich auf Wunsch einem langweiligen, völlig blauen Himmel ein schönes Wolkenbild.

Auf die erforderlichen Grundfertigkeiten und einige fortgeschrittene Techniken, die sich auch für den Austausch des Himmels einsetzen lassen, gehe ich, sofern die Zeit es erlaubt, in meinen Bildbearbeitungs-Workshops gern ein. Aber immer erst, nachdem die Teilnehmer ausführlich gelernt haben, wie sie mit einer Basiskorrektur in 8 Schritten ihre eigenen Bilder zum Strahlen bringen konnten.

 
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